Tourexpi
Welche
Rolle darf Politik dabei spielen, wie ein Reiseland seine Geschichte erzählt?
Dieser Frage gehen Günter Ihlau und Wolfgang Isenberg in ihrem Beitrag „Das
Land, das wir den Gästen zeigen“ nach. Anlass ist die Landtagswahl in
Sachsen-Anhalt am 6. September und das tourismuspolitische Konzept der AfD, das
unter dem Leitbild #deutschdenken stärker auf deutsche Geschichte und nationale
Identität setzen will.
Die
Autoren sehen Tourismus dabei nicht allein als Wirtschaftsfaktor. Reisen
schaffe Begegnungen, mache Geschichte erfahrbar und bringe unterschiedliche
Lebenswelten miteinander in Berührung. Gerade darin liege ein Wert, der über
Übernachtungszahlen und regionale Wertschöpfung hinausgehe: Reisende könnten
mit anderen Sichtweisen konfrontiert werden und ihre eigenen Gewissheiten
hinterfragen.
Streit
um „Volksbildungstourismus“
Im
Zentrum der Kritik steht das von Hans-Thomas Tillschneider, Sprecher der
AfD-Landtagsfraktion für Bildung, Kultur und Wissenschaft, vertretene Konzept.
Sachsen-Anhalt soll demnach zum „Sehnsuchtsort aller deutschen Patrioten“
werden. Tourismus, Geschichte und Heimat sollen stärker nationale Identität
vermitteln.
Ihlau
und Isenberg unterscheiden dabei ausdrücklich zwischen der touristischen
Vermittlung deutscher Geschichte und ihrer politischen Einordnung.
Sachsen-Anhalt verfüge mit den Merseburger Zaubersprüchen, Heinrich I., Otto
dem Großen, Luther und Bismarck über eine außergewöhnliche Dichte historischer
Orte. Problematisch werde es ihrer Ansicht nach erst, wenn bestimmte Ereignisse
gezielt zu einer bevorzugten Erzählung über deutsche Identität verbunden
würden.
Besonders
kritisch betrachten sie den Begriff „Volksbildungstourismus“. Wenn
„Identitätserfahrung, Bildung und Erholung“ miteinander verbunden würden,
stelle sich die Frage, wer festlege, was Besucher aus Geschichte lernen sollen.
„Bildung eröffnet einen Raum für Urteil, politische Belehrung verengt ihn“,
schreiben die Autoren.
Ferienstraße
soll deutsche Geschichte verbinden
Auch
die von Tillschneider vorgeschlagene „Straße des Deutschen Reiches“ wird
aufgegriffen. Gegen eine historische Ferienstraße sei grundsätzlich nichts
einzuwenden. Thematische Routen seien ein bewährtes Instrument, um Orte
miteinander zu verbinden und Besucher auch in kleinere Städte und ländliche
Regionen zu führen.
Entscheidend
sei jedoch die zugrunde liegende Erzählung. Nach Tillschneiders Konzept soll
die Route Orte verbinden, an denen deutsche Identität geprägt worden sei, und
ist ausdrücklich Bestandteil von #deutschdenken. Die Autoren sehen darin die
Gefahr, Geschichte auf eine politisch gewünschte Identität hin auszuwählen.
Bauhaus
als Beispiel für internationale Wirkung
Das
Bauhaus dient Ihlau und Isenberg als Gegenbeispiel zu einer national verengten
Betrachtung. Es sei in Deutschland entstanden und zugleich Weltkultur geworden.
Seine internationale Wirkung nehme ihm seine deutsche Herkunft nicht.
Gerade
Dessau zeige zudem, welche historischen Spannungen solche Debatten besitzen:
1932 beschloss der Gemeinderat die Schließung des Bauhauses. Reinhard Meyer,
Präsident des Deutschen Tourismusverbandes, sieht nach Darstellung der Autoren
die touristische Stärke Ostdeutschlands gerade in Kulturorten wie Bauhaus,
Lutherstätten und Welterbestätten mit internationaler Ausstrahlung.
Tourismus
lebt auch von internationaler Beschäftigung
Die
Autoren erweitern ihre Argumentation auf die wirtschaftliche Realität der
Branche. Im deutschen Gastgewerbe besitzen demnach 44,5 Prozent der
sozialversicherungspflichtig Beschäftigten eine ausländische
Staatsangehörigkeit. In der Gastronomie beträgt der Anteil 47,8 Prozent, in der
speisengeprägten Gastronomie sogar 54,6 Prozent.
Damit
werde eine gesellschaftliche Frage im touristischen Alltag konkret: Menschen
unterschiedlicher Herkunft arbeiten gemeinsam in Hotels und Restaurants, kochen
regionale Gerichte, schenken deutschen Wein aus und erklären Gästen ihre
Region. Zugehörigkeit entstehe deshalb nicht ausschließlich durch Herkunft,
sondern auch durch gemeinsames Leben und Arbeiten.
Plädoyer
für Widerspruch und offene Debatten
Ihlau
und Isenberg kritisieren darüber hinaus eine politische Tendenz, komplexe
Interessenkonflikte als einfache Gegensätze darzustellen. Als Beispiele nennen
sie Windkraft und Landschaftsschutz, Klimaschutz und Reisefreiheit sowie
Debatten über Tradition und gesellschaftlichen Wandel. Politik müsse solche
Spannungen nicht beseitigen, sondern unterschiedliche Interessen wahrnehmen und
gegeneinander abwägen.
Darin
sehen die Autoren eine grundsätzliche demokratische Aufgabe. Ein Hotelier könne
einen Ort anders betrachten als ein Naturschützer, ein Wanderer anders als ein
Energieplaner. Mehrere Perspektiven könnten gleichzeitig berechtigt sein.
Demokratie gewinne ihre Stärke gerade daraus, Widerspruch auszuhalten,
Interessen abzuwägen und Entscheidungen begründen zu müssen.
Am
Ende steht deshalb ein Plädoyer gegen eine politisch vorgegebene Deutung des
Reisens. „Tourismus ist in diesem Konflikt kein Nebenschauplatz“, schreiben
Ihlau und Isenberg. Eine Regierung könne Infrastruktur schaffen, Museen
fördern, Reiseziele entwickeln und Kampagnen finanzieren. „Aber sie sollte
nicht planen wollen, was ein Mensch am Ende einer Reise zu denken hat.“
Bildnachweis:
KI-generierte Illustration mit Material von Tourexpi
Die meistgelesenen Nachrichten
Lesen Sie die Nachrichten

Oceania Sonata schwimmt erstmals in Italien auf
Das erste Schiff der neuen Sonata-Klasse wechselt in Marghera an den Ausrüstungskai und soll im August 2027 in Dienst gehen
Lesen Sie die Nachrichten

Uruguay wirbt in Buenos Aires um LGBTQ+-Reisende
Bei der GNetwork360 präsentierte das Land vor mehr als 2.000 Teilnehmern touristische Angebote aus Colonia, Maldonado und Rocha und knüpfte neue Kontakte zum argentinischen Markt
Lesen Sie die Nachrichten

Long Island im Herbst: Wein, Ernte und Farmabenteuer vor New York
Apfelgärten, Kürbisfelder und Weinlese prägen die Saison auf Long Island und zeigen die Insel abseits ihrer bekannten Strände
Lesen Sie die Nachrichten

Silvester zu Fuß: Wanderreisen von der Nordsee bis Paris
Die Landpartie verbindet den Jahreswechsel 2026/27 mit leichten Wanderungen, Kultur und Kulinarik im Schwarzwald, an der Nordsee und in Paris
Lesen Sie die Nachrichten

TUI Junior Academy erreicht weltweit 307.000 Kinder
Zum zehnjährigen Bestehen ihres Umweltbildungsprogramms zieht die TUI Care Foundation Bilanz und startet eine neue Junior Academy in Gambia
Lesen Sie die Nachrichten

Kolumbien: inventia nimmt Kreuzfahrten auf dem Río Magdalena ins Programm
Zwei achttägige Routen zwischen Cartagena und Barranquilla verbinden Flusslandschaften mit Kolonialgeschichte, Naturerlebnissen und regionaler Kultur
Lesen Sie die Nachrichten

Golf Trips Tour 2026 bringt Saisonfinale nach Belek
Corendon Airlines begleitet polnische Amateurgolfer zum internationalen Finale vom 7. bis 14. November in die türkische Golfdestination
Lesen Sie die Nachrichten

Crystal erweitert Luxusangebot auf See mit neuem Kapitän und neuer Owner’s Suite
Placido Libro übernimmt auf der Crystal Serenity, während Crystal erste Details zum Neubau Crystal Grace und neue Erlebnisse an Bord vorstellt
Lesen Sie die Nachrichten

Deutschland wählt den Außendienstler des Jahres 2026
202 Reisebüros haben ihre Favoriten nominiert – 13 Kandidaten gehen ab 4. September ins Rennen um den QTA-Titel
Lesen Sie die Nachrichten

Conrad Nagoya eröffnet neues Luxushotel über der Skyline Zentraljapans
170 Zimmer und Suiten, sechs Restaurants und Bars sowie ein Spa bringen die Hilton-Luxusmarke Conrad erstmals nach Nagoya
Lesen Sie die Nachrichten

Iberostar zeichnet Vertriebspartner in Brasilien aus
Bei der 19. Estrellas-Ausgabe in Praia do Forte würdigt Iberostar die stärksten Partner aus Brasilien, Argentinien und weiteren lateinamerikanischen Märkten und vergibt erstmals Preise für verantwortungsvollen Tourismus
Lesen Sie die Nachrichten

La Gomera: ‘Wir verstehen uns nicht nur als Hotel, sondern auch als Gastgeber’
Bancal-Direktor Olivier Doche über die Verbindung des Hotels mit La Gomera, nachhaltige Architektur, regionale Küche und authentische Inselerlebnisse
Lesen Sie die Nachrichten

Mein Schiff startet in Deutschland große September-Kampagne mit Robbie Williams
TUI Cruises begleitet die letzte Phase der Frühbucheraktion für den Sommer 2027 mit einer breit angelegten Kampagne und bindet dabei auch mehr als 8.000 Verkaufsstellen ein
Lesen Sie die Nachrichten

MSC Cruises bietet ab Deutschland Winterreisen zu 168 Zielen weltweit
Von Weihnachtsmärkten in Nordeuropa über die neue MSC World Asia bis zur Karibik umfasst das Winterprogramm 2026/2027 insgesamt 168 Destinationen in 72 Ländern
Lesen Sie die Nachrichten

Europa und Fernziele: Studiosus startet mit 44 Eventreisen ins neue Jahr
Der neue kultimer bündelt 44 Silvester-Reisen für 2026/2027 und verbindet den Jahreswechsel mit Kulturprogrammen von Norwegen bis Singapur
Lesen Sie die Nachrichten

Sardinien führt Reisende in das Herz der Blue Zone
Eine neue Gruppenreise durch Ogliastra und Barbagia verbindet Begegnungen mit Einheimischen, regionale Küche, Hirtenkultur und Wanderungen abseits der klassischen Ferienorte
Lesen Sie die Nachrichten

Müller-Touristik präsentiert Kataloge 2027 auf Tour durch Nordwestdeutschland
Acht Info-Abende bringen Reisebüros vom 15. September bis 13. Oktober Neuheiten bei Kurz-, Party- und Gruppenreisen näher
Lesen Sie die Nachrichten

Deutschland: Fast jeder Dritte erlebt Löschung eigener Online-Bewertungen
Eine HolidayCheck-Studie zeigt, wie häufig Rezensionen verschwinden und warum viele Betroffene auf einen Einspruch verzichten
Lesen Sie die Nachrichten

Mecklenburger Radtour erweitert Rad-und-Schiff-Programm 2027 in Europa
Der neue 84-seitige Katalog umfasst Reisen durch 13 europäische Länder und bringt zusätzliche Routen ab Hamburg und Berlin sowie ein größeres Donau-Angebot
Lesen Sie die Nachrichten

Casas del XVI wird Teil der Vignette Collection in Santo Domingo
Acht restaurierte historische Residenzen mit 21 Zimmern und Suiten verbinden das koloniale Erbe der Dominikanischen Republik mit individueller Boutique-Hotellerie
Lesen Sie die Nachrichten

Dorint-Mitarbeiter sammeln in Deutschland Bewegung für den guten Zweck
Mit der #HotelHelden Challenge verbindet die Dorint Hotelgruppe im September Bewegung und Teamgeist mit einem Spendenziel von 24.000 Euro