Tourexpi
Gemeinsam mit Bürgermeisterin Hatice Gençay sollen 2027 und 2028 konkrete Projekte entstehen – auch für die deutsche Reisebürobranche
Städtepartnerschaften können weit mehr leisten als traditionelle Freundschaftsbesuche und kulturellen Austausch. Wie sich internationale kommunale Beziehungen gezielt für Tourismus, Wirtschaft und gesellschaftliche Verständigung nutzen lassen, zeigt die Stadt Bingen am Rhein mit ihrem langjährigen Engagement.
Unter Oberbürgermeister Thomas Feser hat Bingen seine internationalen Beziehungen durch Begegnungen, Konferenzen und touristische Fachveranstaltungen kontinuierlich ausgebaut. In den vergangenen fünf Jahren rückte die Stadt dabei durch zahlreiche Veröffentlichungen und Berichte in der touristischen Fachpresse verstärkt in den Blickpunkt der deutschen Reisebürobranche.
Ein weiterer Schritt dieser internationalen Zusammenarbeit erfolgte am 25. Oktober 2026 beim Weltforum der Partnerstädte für Tourismus im türkischen Didim. Gemeinsam mit Didims Bürgermeisterin Hatice Gençay stellte Feser dort die Frage in den Mittelpunkt, wie Städtepartnerschaften zu neuen touristischen Verbindungen, wirtschaftlichen Impulsen und dauerhaften Kontakten zwischen den Menschen beitragen können.
Die Veranstaltung im Akra Didim Resort & Spa wurde von Hüseyin Baraner, Generalsekretär des World Twin Cities Tourism Forum und Ehrenbürger von Didim, organisiert.
Thomas Feser: Wenn große politische Systeme an Grenzen stoßen, müssen Städte Verantwortung übernehmen
In seiner Grundsatzrede zeichnete Bingens Oberbürgermeister zunächst ein Bild der gegenwärtigen internationalen Herausforderungen. Geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und gesellschaftliche Veränderungen machten eine engere Zusammenarbeit zwischen Städten notwendiger denn je.
„Wenn die großen politischen Systeme an ihre Grenzen stoßen, müssen unsere Städte mehr Verantwortung übernehmen“, erklärte Feser.
Städte seien nicht nur Verwaltungszentren, sondern Orte des wirtschaftlichen Lebens, der gesellschaftlichen Stabilität und vor allem der menschlichen Begegnung.
Gerade dann, wenn sich auf internationaler Ebene politische Konflikte verschärften, dürften die Kommunen ihre Zusammenarbeit nicht einstellen.
„Städtepartnerschaften sind weit mehr als gegenseitige Freundschaftsbesuche oder kulturelle Veranstaltungen. Sie können zu einem wichtigen Instrument der internationalen wirtschaftlichen Stabilität werden.“
Feser sprach sich dafür aus, die vorhandenen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Potenziale stärker miteinander zu verbinden. Unternehmen, Handwerksbetriebe, Bildungseinrichtungen, Tourismusorganisationen und Bürger könnten unmittelbar von einer intensiveren Zusammenarbeit profitieren.
Tourismus als wirtschaftlicher Stabilitätsfaktor
Eine besondere Rolle misst Feser dabei der Tourismuswirtschaft bei.
„Tourismus ist weit mehr als Urlaub, Sonne und Erholung. Tourismus verbindet Menschen, schafft Arbeitsplätze, stärkt Unternehmen, fördert Investitionen und trägt zum Wohlstand ganzer Regionen bei.“
Wenn touristische Regionen unter wirtschaftlichen Druck gerieten, seien nicht nur Hotels und Reiseveranstalter betroffen. Auch Restaurants, Einzelhandel, Transportunternehmen, Landwirtschaft und zahlreiche kleinere Betriebe seien auf eine stabile touristische Nachfrage angewiesen.
Feser sieht in der gezielten Zusammenarbeit zwischen Partnerstädten deshalb erhebliche Möglichkeiten, zusätzliche Reisebewegungen und neue wirtschaftliche Aktivitäten auszulösen.
Warum, so seine Frage, sollten nicht gemeinsame Reiseprogramme entwickelt werden, die Bürger von einer Partnerstadt in die andere führen?
Besonders Vereine, Kulturgruppen, junge Menschen, Sportler, Wirtschaftsdelegationen und Senioren könnten zu wichtigen Zielgruppen solcher Angebote werden.
„Jede Reise schafft nicht nur wirtschaftlichen Umsatz. Jede persönliche Begegnung schafft auch Vertrauen. Und Vertrauen ist in unserer heutigen Welt wertvoller denn je.“
Bingen am Rhein als Beispiel für erfolgreiche internationale Vernetzung
Die Stadt Bingen verfügt über sechs Partnerstädte in England, Frankreich, Kosovo, der Türkei und Tschechien. Für Feser sind diese Beziehungen ein Beweis dafür, wie aus zunächst offiziellen Kontakten über viele Jahre dauerhafte persönliche Freundschaften entstehen können.
Künftig sollen solche Beziehungen noch stärker mit konkreten touristischen und wirtschaftlichen Initiativen verbunden werden.
Die Erfahrungen der vergangenen fünf Jahre zeigen nach Einschätzung der Initiatoren, dass internationale Veranstaltungen und eine kontinuierliche Kommunikation mit touristischen Fachmedien auch für eine vergleichsweise kleine Stadt neue Aufmerksamkeit schaffen können.
Bingen ist dadurch nicht nur als Stadt am Rhein, sondern zunehmend auch als Gastgeber internationaler Begegnungen und touristischer Veranstaltungen in Erscheinung getreten.
Das Beispiel zeigt, wie sich kommunale Außenbeziehungen mit gezielter Destinationswerbung verbinden lassen.
Bürgermeisterin Hatice Gençay: Didim braucht eine eigene touristische Identität
Didims Bürgermeisterin Hatice Gençay stellte während des Forums ihre Vorstellungen für die zukünftige Entwicklung der türkischen Ägäisstadt vor.
Sie betonte, dass Didim touristisch wesentlich mehr zu bieten habe als das klassische Angebot aus Sonne, Strand und Meer.
Die antiken Stätten von Milet und Didyma, der Apollon-Tempel, die historische Heilige Straße, die Landschaft, die regionale Landwirtschaft und die Gastronomie seien wichtige Bestandteile einer eigenständigen touristischen Identität.
„Was Didim von anderen unterscheiden wird, ist die Bewahrung seiner einzigartigen Geschichte und die Fähigkeit, diese Geschichte richtig zu erzählen“, erklärte Gençay sinngemäß.
Mit dem sogenannten 3T-Modell – Tarih, Turizm, Tarım, also Geschichte, Tourismus und Landwirtschaft – verfolgt die Stadt eine Strategie, bei der kulturelles Erbe, regionale Erzeugnisse, Gastronomie und touristische Angebote miteinander verknüpft werden sollen.
Gençay machte zugleich deutlich, dass eine erfolgreiche touristische Entwicklung nicht allein an steigenden Besucherzahlen gemessen werden dürfe.
„Wir glauben, dass sich der Tourismus gemeinsam mit der Stadt entwickeln muss“, sagte die Bürgermeisterin.
Zunächst müsse eine Stadt entstehen, in der sich die eigene Bevölkerung wohlfühle. Erst dann könne diese Lebensqualität glaubwürdig mit den Gästen geteilt werden.
Ziel sei es, dass Reisende Didim nicht lediglich besuchen, sondern eine persönliche Verbindung zur Destination entwickeln.
Neue Chancen durch die Generation 60plus
Ein weiterer Schwerpunkt der Rede von Thomas Feser war die demografische Entwicklung in Europa.
Die wachsende Generation der über 60-Jährigen werde in den kommenden Jahren Gesellschaft, Wirtschaft und Tourismus zunehmend prägen.
„Wir sollten diese Entwicklung nicht nur als Herausforderung, sondern auch als große Chance verstehen“, betonte Feser.
Gesundheit, Lebensqualität, Barrierefreiheit, kulturelle Teilhabe und aktives Reisen würden für diese Zielgruppe immer wichtiger.
Gerade hier sieht der Oberbürgermeister Potenzial für eine intensivere Zusammenarbeit zwischen europäischen Partnerstädten und Destinationen wie Didim.
Denkbar sind organisierte Gruppenreisen, Kulturprogramme, längere Aufenthalte außerhalb der klassischen Hochsaison sowie neue Angebote rund um Gesundheit, Erholung und aktive Lebensgestaltung.
Für Reisebüros könnten sich daraus zusätzliche Beratungsmöglichkeiten und neue, zielgruppenspezifische Reiseprodukte ergeben.
2027 und 2028: Didim soll in Deutschland bekannter werden
Für die kommenden beiden Jahre kündigte Feser konkrete Ziele an.
Gemeinsam mit internationalen Journalisten sollen die Möglichkeiten der Städtepartnerschaften, des nachhaltigen Tourismus sowie neue Konzepte für Gesundheit und Lebensqualität einer breiteren Öffentlichkeit in Deutschland und Europa vorgestellt werden.
„Dabei geht es uns nicht allein darum, eine wunderschöne Urlaubsregion vorzustellen. Wir möchten vielmehr zeigen, welche wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und menschlichen Chancen entstehen, wenn Städte international enger zusammenarbeiten.“
Parallel dazu sollen Begegnungs- und Reiseprogramme entwickelt werden, die Menschen aus verschiedenen Partnerstädten direkt miteinander verbinden.
Auf der Tagesordnung des Forums stand auch eine eigene Vermarktungsstrategie für Didim in den deutschsprachigen Ländern.
Neben der klassischen touristischen Infrastruktur sollen vor allem die kulturelle Vielfalt, die Geschichte und die regionalen Besonderheiten der Destination stärker kommuniziert werden.
Jährliches Weltforum in Didim geplant
Ein weiteres Ergebnis ist die Absicht, Didim zu einem regelmäßigen internationalen Treffpunkt für kommunale und touristische Zusammenarbeit zu entwickeln.
Das Akra Didim Resort & Spa soll dabei als Veranstaltungsstandort und Ausgangspunkt gemeinsamer Aktivitäten dienen.
„Unser Ziel ist es, jedes Jahr hier in Didim eine internationale Tagung unseres Weltforums der Partnerstädte für Tourismus durchzuführen“, erklärte Feser.
Didim solle damit nicht Gastgeber einer einmaligen Veranstaltung bleiben, sondern zu einem dauerhaften Zentrum für neue internationale Tourismusinitiativen werden.
Feser zeigte sich überzeugt, dass gemeinsam mit Bürgermeisterin Hatice Gençay, den beteiligten Städten, der Tourismuswirtschaft und internationalen Medien wichtige Projekte entstehen können.
Neue Perspektiven für deutsche Reisebüros
Für den deutschen Reisevertrieb könnte die Initiative zusätzliche Möglichkeiten eröffnen.
Didim verfügt bereits über eine touristische Infrastruktur mit modernen Ferienhotels und attraktiven Küstenabschnitten. Gleichzeitig bietet die Umgebung mit ihren antiken Stätten, regionaler Gastronomie und vielfältigen Ausflugsmöglichkeiten Ansatzpunkte für eine stärkere Differenzierung im Reisebüroverkauf.
Durch die Zusammenarbeit mit europäischen Städten könnten zukünftig weitere Reiseanlässe entstehen: Vereins- und Kulturreisen, Seniorenprogramme, thematische Gruppenreisen, Gesundheitsaufenthalte und Reisen außerhalb der klassischen Sommermonate.
Damit verfolgen die Initiatoren ein Konzept, das über die traditionelle Vermarktung einzelner Hotels hinausgeht und die gesamte Destination stärker in den Mittelpunkt stellt.
„Unsere Städte müssen näher zusammenrücken“
Zum Abschluss seiner Rede appellierte Oberbürgermeister Thomas Feser an die gemeinsame Verantwortung der Städte.
„Wir können Brücken bauen, wenn andere Mauern errichten. Wir können wirtschaftliche Zusammenarbeit fördern, wenn internationale Märkte unsicher werden.“
Die Zukunft internationaler Zusammenarbeit werde nicht allein in den Hauptstädten entschieden, sondern ebenso in Rathäusern, Unternehmen, Hotels, Vereinen und durch persönliche Begegnungen der Menschen.
Seine zentrale Botschaft aus Didim lautete:
„Unsere Städte müssen näher zusammenrücken, damit unsere Welt nicht weiter auseinanderdriftet.“
Aus Städtepartnerschaften müssten neue wirtschaftliche Chancen und aus Begegnungen dauerhafte Freundschaften entstehen.
Für Bingen am Rhein und Didim soll das Weltforum damit nicht nur ein Zeichen internationaler Freundschaft sein, sondern der Ausgangspunkt einer langfristigen touristischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit.
Bildnachweis: © Tourexpi
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