Tourexpi
Nicht
nur zurückgelehnte Sitzlehnen und blockierte Gänge sorgen im Flugzeug für
schlechte Stimmung. Smartphones, soziale Medien und Gewohnheiten aus dem
heimischen Wohnzimmer schaffen neue Reibungspunkte zwischen Passagieren.
Besonders empfindlich reagieren deutsche Flugreisende auf stark riechende
Speisen, rücksichtslose Fotoaktionen und Videos oder Musik ohne Kopfhörer.
Das
zeigt eine Umfrage im Auftrag von Booking.com unter 1.000 Deutschen, die
innerhalb des vergangenen Jahres international geflogen sind. Die Ergebnisse
zeichnen das Bild einer Flugkabine, in der die Grenzen zwischen privatem
Verhalten und gemeinsam genutztem Raum zunehmend verschwimmen.
Stark
riechendes Essen führt die Ärgerliste an
Mitgebrachte
Speisen mit intensivem Geruch oder hoher Kleckergefahr sind für 40 Prozent der
Befragten ein besonderes Ärgernis. Bei den Gerüchen stehen Käse und Aufschnitt
mit 46 Prozent an der Spitze, gefolgt von knoblauchhaltigen Speisen mit 42
Prozent.
Fisch-
oder Leberwurstbrote stören 30 Prozent, Döner oder Currywurst 27 Prozent.
Selbst hartgekochte Eier werden von 16 Prozent als unangenehm empfunden.
Fast
ebenso konfliktträchtig ist die Jagd nach dem perfekten Foto aus dem
Flugzeugfenster. 39 Prozent ärgern sich über Passagiere, die sich dafür über
ihre Sitznachbarn lehnen oder ihnen zu nahe kommen.
Videos
ohne Kopfhörer werden zum neuen Kabinenärgernis
Die
zunehmende Nutzung von Smartphones verändert auch die Erwartungen an das
Verhalten während eines Fluges. 32 Prozent der Befragten stören sich daran,
wenn Mitreisende Videos ansehen oder Musik hören, ohne Kopfhörer zu verwenden.
Weitere
26 Prozent möchten nicht ungefragt auf Fotos oder Social-Media-Videos anderer
Passagiere erscheinen. TikTok- oder andere Social-Media-Aufnahmen während des
Fluges empfinden 23 Prozent als störend.
Mehr
als ein Drittel der Befragten, 34 Prozent, ist der Ansicht, dass Fliegen durch
soziale Medien und Streaming störender geworden ist. 53 Prozent wünschen sich
deshalb strengere Regeln der Fluggesellschaften für die Nutzung von Social
Media und Technologie an Bord.
„Die
Art und Weise, wie wir fliegen, verändert sich“, sagt Norman Ladig, Regional
Manager D-A-CH bei Booking.com. Neben klassischen Konflikten wie
zurückgelehnten Sitzen oder Passagieren, die unmittelbar nach der Landung den
Gang blockieren, gebe es inzwischen „eine ganze Reihe neuer ungeschriebener
Regeln, die das heutige Fliegen prägen“.
Nägelschneiden
und nackte Füße stoßen auf wenig Verständnis
Die
Umfrage zeigt zugleich, wie weit manche privaten Gewohnheiten inzwischen in die
Flugkabine getragen werden. 43 Prozent der Befragten finden, dass es sich
einige Reisende in 10.000 Metern Höhe zu bequem machen. Gleichzeitig geben 49
Prozent an, sich im Flugzeug ähnlich zu verhalten wie zu Hause.
Maniküren
gehören dabei zu den besonders umstrittenen Tätigkeiten. Jeweils 26 Prozent
stören sich daran, wenn Passagiere ihre Nägel lackieren, schneiden oder feilen
oder barfuß durch die Kabine gehen.
Auch
Bewegung kann zum Konfliktthema werden. 23 Prozent ärgern sich über
Mitreisende, die im Gang auf und ab laufen, um Schritt- oder Fitnessziele zu
erreichen. Zahnseide in der Kabine stört 18 Prozent, Dehn- oder Yogaübungen im
Gang oder anderen Kabinenbereichen 17 Prozent.
Zwei
Drittel wünschen sich Ruhebereiche im Flugzeug
Die
Ergebnisse zeigen ein deutliches Bedürfnis nach Rückzugsmöglichkeiten. 68
Prozent der Befragten würden spezielle Ruhebereiche auf Flügen begrüßen.
Benimm-Expertin
Carolin Lüdemann sieht die Ursache vieler Konflikte im besonderen Charakter der
Flugkabine. „Fliegen ist ein gemeinschaftliches Erlebnis – auch dann, wenn
Menschen Komfort und Privatsphäre suchen“, erklärt sie. „Die Kabine ist kein
persönliches Wohnzimmer.“
Rücksichtnahme
müsse dabei nicht kompliziert sein. „Kopfhörer nutzen, Nachbarn nicht ungefragt
filmen, stark riechende Speisen vermeiden und Bewegungsübungen auf das Terminal
verlegen“, nennt Lüdemann als Beispiele.
Jeder
Zweite würde störende Mitreisende ansprechen
Kommt
es dennoch zu einem Konflikt, würden 49 Prozent der Befragten einen störenden
Passagier direkt, aber höflich auf sein Verhalten ansprechen. 14 Prozent würden
die Situation dagegen schweigend hinnehmen.
Elf
Prozent setzen eher auf nonverbale Signale und reagieren beispielsweise mit
missbilligenden Blicken, hörbarem Seufzen oder Schnalzen.
Bei
der Frage nach den schlechtesten Manieren an Bord landet die Generation Z mit
27 Prozent an erster Stelle. Bemerkenswert ist, dass gerade junge Reisende
besonders kritisch mit ihrer eigenen Altersgruppe umgehen: 34 Prozent der
befragten Gen-Z-Angehörigen sehen ihre Generation als größte Knigge-Sünder.
Unter den Babyboomern sind dagegen 48 Prozent der Ansicht, dass keine
Altersgruppe im Flugzeug grundsätzlich negativ auffällt.
Lüdemann
empfiehlt deshalb eine einfache Strategie für Situationen, in denen die Grenzen
des akzeptablen Verhaltens nicht eindeutig sind: Mitreisende zu fragen, ob sie
sich durch das eigene Verhalten gestört fühlen. In der Enge einer
Flugzeugkabine könne schon diese Form der Rücksichtnahme viele Konflikte
vermeiden.
Bildnachweis:
© KI-generierte Illustration
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