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Was Flugreisende nervt: Essen, Handyvideos und Maniküren an Bord
Eine Booking.com-Umfrage zeigt neue Konfliktfelder in der Flugkabine – 68 Prozent der Befragten wünschen sich sogar spezielle Ruhebereiche
Was Flugreisende nervt: Essen, Handyvideos und Maniküren an Bord

Nicht nur zurückgelehnte Sitzlehnen und blockierte Gänge sorgen im Flugzeug für schlechte Stimmung. Smartphones, soziale Medien und Gewohnheiten aus dem heimischen Wohnzimmer schaffen neue Reibungspunkte zwischen Passagieren. Besonders empfindlich reagieren deutsche Flugreisende auf stark riechende Speisen, rücksichtslose Fotoaktionen und Videos oder Musik ohne Kopfhörer.

Das zeigt eine Umfrage im Auftrag von Booking.com unter 1.000 Deutschen, die innerhalb des vergangenen Jahres international geflogen sind. Die Ergebnisse zeichnen das Bild einer Flugkabine, in der die Grenzen zwischen privatem Verhalten und gemeinsam genutztem Raum zunehmend verschwimmen.

Stark riechendes Essen führt die Ärgerliste an

Mitgebrachte Speisen mit intensivem Geruch oder hoher Kleckergefahr sind für 40 Prozent der Befragten ein besonderes Ärgernis. Bei den Gerüchen stehen Käse und Aufschnitt mit 46 Prozent an der Spitze, gefolgt von knoblauchhaltigen Speisen mit 42 Prozent.

Fisch- oder Leberwurstbrote stören 30 Prozent, Döner oder Currywurst 27 Prozent. Selbst hartgekochte Eier werden von 16 Prozent als unangenehm empfunden.

Fast ebenso konfliktträchtig ist die Jagd nach dem perfekten Foto aus dem Flugzeugfenster. 39 Prozent ärgern sich über Passagiere, die sich dafür über ihre Sitznachbarn lehnen oder ihnen zu nahe kommen.

Videos ohne Kopfhörer werden zum neuen Kabinenärgernis

Die zunehmende Nutzung von Smartphones verändert auch die Erwartungen an das Verhalten während eines Fluges. 32 Prozent der Befragten stören sich daran, wenn Mitreisende Videos ansehen oder Musik hören, ohne Kopfhörer zu verwenden.

Weitere 26 Prozent möchten nicht ungefragt auf Fotos oder Social-Media-Videos anderer Passagiere erscheinen. TikTok- oder andere Social-Media-Aufnahmen während des Fluges empfinden 23 Prozent als störend.

Mehr als ein Drittel der Befragten, 34 Prozent, ist der Ansicht, dass Fliegen durch soziale Medien und Streaming störender geworden ist. 53 Prozent wünschen sich deshalb strengere Regeln der Fluggesellschaften für die Nutzung von Social Media und Technologie an Bord.

„Die Art und Weise, wie wir fliegen, verändert sich“, sagt Norman Ladig, Regional Manager D-A-CH bei Booking.com. Neben klassischen Konflikten wie zurückgelehnten Sitzen oder Passagieren, die unmittelbar nach der Landung den Gang blockieren, gebe es inzwischen „eine ganze Reihe neuer ungeschriebener Regeln, die das heutige Fliegen prägen“.

Nägelschneiden und nackte Füße stoßen auf wenig Verständnis

Die Umfrage zeigt zugleich, wie weit manche privaten Gewohnheiten inzwischen in die Flugkabine getragen werden. 43 Prozent der Befragten finden, dass es sich einige Reisende in 10.000 Metern Höhe zu bequem machen. Gleichzeitig geben 49 Prozent an, sich im Flugzeug ähnlich zu verhalten wie zu Hause.

Maniküren gehören dabei zu den besonders umstrittenen Tätigkeiten. Jeweils 26 Prozent stören sich daran, wenn Passagiere ihre Nägel lackieren, schneiden oder feilen oder barfuß durch die Kabine gehen.

Auch Bewegung kann zum Konfliktthema werden. 23 Prozent ärgern sich über Mitreisende, die im Gang auf und ab laufen, um Schritt- oder Fitnessziele zu erreichen. Zahnseide in der Kabine stört 18 Prozent, Dehn- oder Yogaübungen im Gang oder anderen Kabinenbereichen 17 Prozent.

Zwei Drittel wünschen sich Ruhebereiche im Flugzeug

Die Ergebnisse zeigen ein deutliches Bedürfnis nach Rückzugsmöglichkeiten. 68 Prozent der Befragten würden spezielle Ruhebereiche auf Flügen begrüßen.

Benimm-Expertin Carolin Lüdemann sieht die Ursache vieler Konflikte im besonderen Charakter der Flugkabine. „Fliegen ist ein gemeinschaftliches Erlebnis – auch dann, wenn Menschen Komfort und Privatsphäre suchen“, erklärt sie. „Die Kabine ist kein persönliches Wohnzimmer.“

Rücksichtnahme müsse dabei nicht kompliziert sein. „Kopfhörer nutzen, Nachbarn nicht ungefragt filmen, stark riechende Speisen vermeiden und Bewegungsübungen auf das Terminal verlegen“, nennt Lüdemann als Beispiele.

Jeder Zweite würde störende Mitreisende ansprechen

Kommt es dennoch zu einem Konflikt, würden 49 Prozent der Befragten einen störenden Passagier direkt, aber höflich auf sein Verhalten ansprechen. 14 Prozent würden die Situation dagegen schweigend hinnehmen.

Elf Prozent setzen eher auf nonverbale Signale und reagieren beispielsweise mit missbilligenden Blicken, hörbarem Seufzen oder Schnalzen.

Bei der Frage nach den schlechtesten Manieren an Bord landet die Generation Z mit 27 Prozent an erster Stelle. Bemerkenswert ist, dass gerade junge Reisende besonders kritisch mit ihrer eigenen Altersgruppe umgehen: 34 Prozent der befragten Gen-Z-Angehörigen sehen ihre Generation als größte Knigge-Sünder. Unter den Babyboomern sind dagegen 48 Prozent der Ansicht, dass keine Altersgruppe im Flugzeug grundsätzlich negativ auffällt.

Lüdemann empfiehlt deshalb eine einfache Strategie für Situationen, in denen die Grenzen des akzeptablen Verhaltens nicht eindeutig sind: Mitreisende zu fragen, ob sie sich durch das eigene Verhalten gestört fühlen. In der Enge einer Flugzeugkabine könne schon diese Form der Rücksichtnahme viele Konflikte vermeiden.

Bildnachweis: © KI-generierte Illustration


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