Sechs botanische Gärten als grüne Zwischenstopps - Wissen, was im Tourismus los ist!



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Sechs botanische Gärten als grüne Zwischenstopps
Von der Bretagne über Florida und Kanada bis Kalifornien verbinden besondere Gartenanlagen Naturerlebnis mit Kultur, Geschichte und regionalen Traditionen
Sechs botanische Gärten als grüne Zwischenstopps

Naturerlebnisse gehören laut Reiseanalyse 2026 zu den wichtigen Reisemotiven. Gleichzeitig gewinnen Slow Travel und bewusst eingeplante Pausen an Bedeutung. Botanische Gärten passen zu dieser Entwicklung: Sie lassen sich als Zwischenstopp in Städtereisen und Rundreisen integrieren und eröffnen einen anderen Blick auf das jeweilige Reiseziel.

Dabei reicht das Spektrum weit über klassische Schaugärten hinaus. Manche Anlagen bewahren jahrhundertealte Gartenkultur, andere beschäftigen sich mit Heilpflanzen, indigener Pflanzenkunde oder botanischer Forschung. Sechs Beispiele in Europa und Nordamerika zeigen, wie unterschiedlich solche grünen Reiseziele sein können.

Frankreich: Botanischer Zwischenstopp am Nantes-Brest-Kanal

Im bretonischen La Gacilly liegt der Jardin Botanique Yves Rocher unmittelbar an einer Route, die sich auch mit einer Riverly-Hausbootreise auf dem Nantes-Brest-Kanal verbinden lässt. Auf zwei Hektar wachsen rund 1.500 Pflanzenarten.

Heil- und Duftpflanzen stehen neben exotischen Gewächsen, einem Bambuswäldchen und einer nationalen Sammlung verschiedener Beifuß-Arten. Angelegt wurde der Garten 1977 als botanisches Forschungslabor unter freiem Himmel. Für Hausbootreisende bietet La Gacilly damit einen natürlichen Landgang zwischen zwei Etappen auf dem Kanal.

Florida: Mehr als 7.000 Pflanzenarten in West Palm Beach

Rund eine Autostunde nördlich von Miami liegt mit dem Mounts Botanical Garden der älteste öffentliche botanische Garten der Palm-Beaches-Region. Benannt wurde er nach Marvin „Red“ Mounts, der vier Jahrzehnte lang die örtliche Landwirtschaftsgemeinschaft prägte.

Heute beherbergt der Garten mehr als 7.000 tropische und subtropische Pflanzenarten. Zu seinen markanten Bereichen gehört der „Windows on the Floating World: Blume Tropical Wetland Garden“. Offene Stege führen durch die Wasserlandschaft und ermöglichen Besuchern, die Vegetation aus unmittelbarer Nähe zu erleben.

Illinois: Japanische Gartenkunst fernab von Chicago

Knapp zwei Autostunden von Chicago entfernt entstand in Rockford ab 1978 der Anderson Japanese Garden. Was als privates Projekt des Geschäftsmanns John Anderson auf einem sumpfigen Grundstück begann, entwickelte sich unter Mitwirkung des Gartenmeisters Hoichi Kurisu zu einer rund zwölf Hektar großen japanischen Gartenlandschaft.

Bäche, Wasserfälle, Koi-Teiche und verschlungene Wege bestimmen das Gelände. Seit 1998 wird der Garten als gemeinnützige Organisation der Rockford Rotary Charitable Association geführt und zählt heute knapp 100.000 Besucher pro Jahr.

Bei speziellen Führungen lässt sich der Garten mit einem Besuch des Sukiya-Gästehauses im Stil des 16. Jahrhunderts verbinden. In der Nähe befindet sich zudem das von Frank Lloyd Wright entworfene Laurent House.

Kanada: 40 Hektar Gartenlandschaft bei den Niagara-Fällen

Die Niagara Parks Botanical Gardens empfangen bereits seit 1936 Besucher. Auf rund 40 Hektar verteilen sich Themengärten, Blumenbeete und Spazierwege. Seit 1990 gehört die Anlage zum kanadischen Niagara Garden Trail.

Direkt angeschlossen ist das Butterfly Conservatory, in dem Tausende Schmetterlinge zwischen tropischen Pflanzen frei fliegen. Weitere Gartenattraktionen in der Umgebung sind die Floral Clock mit ihrem bepflanzten Zifferblatt sowie das Floral Showhouse, dessen Bepflanzung sich mit den Jahreszeiten verändert.

Die Anlagen bieten damit einen ruhigen Kontrast zu den nahe gelegenen Niagara-Fällen und lassen sich unkompliziert in einen Besuch der Region integrieren.

Ontario: Pflanzen erzählen von indigener Kultur

In den Royal Botanical Gardens in Hamilton verbindet der „Enji Naagdowing Anishinaabe Waadiziwin“ Pflanzenwelt mit der Geschichte und Kultur der indigenen Bevölkerung. Der Name bezeichnet eine Reise zum Wissen der Anishinaabe.

Der Wanderweg vermittelt die Bedeutung einheimischer Pflanzen für Kultur, Sprache, Ökologie und Geschichte. Er entstand in Zusammenarbeit mit Ältesten der Mississaugas of the Credit First Nation und unter Leitung eines Pflanzenpädagogen der Wiikwemkoong Unceded Nation.

Eine besondere Rolle spielen traditionelle Pflanzen und vier heilige Heilpflanzen: Salbei, Zeder, Süßgras und Tabak. Ihre Verwendung und kulturelle Bedeutung werden in den Zusammenhang indigener Traditionen gestellt.

Los Angeles: Japanischer Garten mit aufbereitetem Wasser

Mitten im San Fernando Valley liegt Suiho En, der „Garten des Wassers und der Düfte“. Dr. Koichi Kawana schuf die 2,6 Hektar große Anlage 1984 mit dem Ziel, japanische Gartenkultur zu vermitteln und zugleich aufbereitetes Wasser für die Gestaltung zu nutzen.

Nach einer Renovierung ist Suiho En seit April 2026 wieder zugänglich. Die Anlage besteht aus drei Gartenbereichen: einem Spaziergarten mit Seen, Wasserfällen, Laternen und Brücken, einem Teegarten mit Teehaus sowie einem Karesansui-Garten für Zen-Meditation.

Auch die Gestaltung folgt symbolischen Prinzipien. Die drei Ebenen der Wasserfälle stehen für Himmel, Mensch und Erde, während eine Drei-Buddha-Steinanordnung eine mythische Insel der Unsterblichen symbolisiert. So wird der botanische Zwischenstopp zugleich zu einer Begegnung mit japanischer Kultur mitten im Großraum Los Angeles.

Bildnachweis: Anderson Japanese Garden in Illinois (c) Courtesy of the Illinois Office of Tourism


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