EU-Tourismusstrategie: DRV fordert weniger Bürokratie und fairen Wettbewerb - Wissen, was im Tourismus los ist!


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EU-Tourismusstrategie: DRV fordert weniger Bürokratie und fairen Wettbewerb
Der Deutsche Reiseverband begrüßt den neuen europäischen Rahmen für die Tourismuspolitik, verlangt aber konkrete Entlastungen für Reiseveranstalter und Reisebüros
EU-Tourismusstrategie: DRV fordert weniger Bürokratie und fairen Wettbewerb

Die Europäische Kommission hat erstmals eine umfassende Tourismusstrategie vorgelegt und stellt dabei die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Reisewirtschaft in den Mittelpunkt. Der Deutsche Reiseverband (DRV) begrüßt diese Schwerpunktsetzung als wichtiges politisches Signal. Entscheidend sei nun, dass die strategischen Ziele in konkrete Maßnahmen umgesetzt werden, die den Unternehmen verlässliche Rahmenbedingungen bieten und ihre Wettbewerbsposition stärken.

Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht der Verband beim Abbau bürokratischer Anforderungen und bei der Schaffung fairer Wettbewerbsbedingungen. Dabei richtet sich der Blick vor allem auf die angekündigte Reform der europäischen Margensteuerregelungen für Reiseleistungen. Die bisherige Praxis verursache erheblichen Verwaltungsaufwand und benachteilige europäische Unternehmen teilweise gegenüber Wettbewerbern aus Drittstaaten. Die EU-Kommission will noch bis Ende 2026 einen Vorschlag zur Überarbeitung vorlegen.

„Dass die EU-Kommission dem Tourismus erstmals eine eigene, übergreifende Strategie widmet und die Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt stellt, ist ein wichtiges Signal für unsere Branche. Die Unternehmen brauchen vor allem verlässliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und faire Wettbewerbsbedingungen“, erklärt DRV-Präsident Albin Loidl. Die Strategie biete die Möglichkeit, auf europäischer Ebene entsprechende Veränderungen einzuleiten. Aus Sicht des Verbandes müsse dabei auch die Bedeutung der organisierten Reise und des europäischen Outgoing-Tourismus stärker berücksichtigt werden.

Margensteuer als zentrale Reformbaustelle

Die geplante Überarbeitung der Margensteuerregelung gehört zu den wichtigsten wirtschaftspolitischen Punkten der neuen Strategie. Nach Einschätzung des DRV führt die gegenwärtige Sonderregelung für Reiseleistungen insbesondere durch die erforderliche Einzelmargenermittlung zu einem unverhältnismäßig hohen Verwaltungsaufwand.

Der Verband fordert deshalb eine Rückkehr zur Gesamtmargenermittlung. Damit könnten Reiseunternehmen ihre steuerlichen Verpflichtungen vereinfachen und den Aufwand für die Abrechnung einzelner Reiseleistungen reduzieren. Zugleich erwartet der DRV einheitliche und verständliche Regelungen, die unterschiedliche Geschäftsmodelle berücksichtigen und Wettbewerbsverzerrungen innerhalb und außerhalb des europäischen Binnenmarktes vermeiden.

„Die Überarbeitung muss die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Reisewirtschaft stärken. Neue steuerliche Belastungen wären das falsche Signal“, betont Loidl.

Auch die von der Kommission angekündigte Initiative zur Vereinfachung touristischer Vorschriften stößt beim Verband auf Zustimmung. Besonders kleine und mittelständische Reiseunternehmen seien auf praktikable Regelungen angewiesen, die ihre administrativen Belastungen begrenzen.

Bei der weiteren Ausgestaltung der Strategie möchte der DRV Reiseveranstalter und Reisebüros stärker einbezogen sehen. Während die europäische Tourismuspolitik traditionell vor allem auf Europa als Reiseziel ausgerichtet ist, verweist der Verband auf die wirtschaftliche und organisatorische Bedeutung des Reisevertriebs. Reiseunternehmen verbinden europäische Kunden mit internationalen Destinationen, vermitteln touristische Leistungen und übernehmen Aufgaben bei Beratung, Sicherheit und Verbraucherschutz.

Tourismus besser über Regionen und Jahreszeiten verteilen

Ein weiterer Schwerpunkt der europäischen Strategie liegt auf der Stärkung Europas als internationaler Reisedestination. Der DRV unterstützt das Ziel, neben etablierten touristischen Zentren auch weniger bekannte Regionen stärker sichtbar zu machen.

Eine breitere geografische Verteilung der Besucher könnte dazu beitragen, zusätzliche Wertschöpfung in bislang weniger stark erschlossenen Gebieten zu ermöglichen. Gleichzeitig sollen Reiseangebote über das gesamte Jahr hinweg entwickelt werden, um saisonale Nachfragespitzen abzufedern und touristische Infrastruktur gleichmäßiger auszulasten.

Reiseveranstaltern und Reisebüros kommt dabei aus Sicht des Verbandes eine wichtige Vermittlungsfunktion zu. Durch gezielte Produktentwicklung und persönliche Beratung könnten sie Reisende für alternative Destinationen und Reisezeiten gewinnen.

Beim nachhaltigen Tourismus setzt die Kommission auf das Konzept des „Balanced Tourism“, das wirtschaftliche Interessen, die Bedürfnisse der Bevölkerung und die Belastbarkeit der Reiseziele miteinander in Einklang bringen soll. Vorgesehen sind Empfehlungen und ein Instrumentenkasten mit Lösungsansätzen, die an unterschiedliche regionale Voraussetzungen angepasst werden können.

Der DRV unterstützt diesen Ansatz, spricht sich jedoch gegen zusätzliche einheitliche Regulierung aus. Freiwillige Maßnahmen, Erfahrungsaustausch und bewährte Praxisbeispiele sollten nach Auffassung des Verbandes Vorrang haben. Auch beim geplanten europäischen Dialog über den Kreuzfahrttourismus begrüßt er die Orientierung an Zusammenarbeit und gemeinsamen Lösungen.

Digitalisierung und Fachkräfte im Fokus

Neben regulatorischen Fragen behandelt die EU-Strategie die digitale Weiterentwicklung des Tourismus. Die Kommission möchte die Erhebung, den Austausch und die Nutzung touristischer Daten verbessern. Eine breitere Datenverfügbarkeit könnte sowohl Destinationen als auch Unternehmen dabei unterstützen, Nachfrageentwicklungen genauer zu analysieren und ihre Angebote entsprechend auszurichten.

Zur Fachkräftesicherung plant die Kommission unter anderem eine EU Tourism Academy sowie eine Untersuchung der Arbeitsbedingungen im Tourismussektor. Der DRV begrüßt diese Initiativen grundsätzlich, fordert jedoch, dass sie einen unmittelbar erkennbaren Nutzen für die Unternehmen entfalten. Im Mittelpunkt müssten praxisnahe Qualifizierungsmöglichkeiten und eine höhere Attraktivität touristischer Berufe stehen.

Für die deutsche Reisewirtschaft wird sich der Erfolg der europäischen Strategie vor allem daran messen lassen, ob angekündigte Vereinfachungen tatsächlich umgesetzt werden. Der Verband verbindet mit dem neuen politischen Rahmen die Erwartung, dass Wettbewerbsfähigkeit und Verbraucherschutz gemeinsam weiterentwickelt werden, ohne zusätzliche unverhältnismäßige Verpflichtungen für die Unternehmen zu schaffen.

„Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Europa und schafft Wertschöpfung und Beschäftigung in zahlreichen Regionen“, erklärt Loidl. Eine erfolgreiche europäische Tourismuspolitik müsse deshalb sowohl die Interessen der Unternehmen als auch die Bedürfnisse der Destinationen und ihrer Bevölkerung berücksichtigen. Entscheidend sei nun eine konsequente und praxisnahe Umsetzung der Strategie.

Bildnachweis: © DRV


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