Tourexpi
Queeres Leben gehört längst selbstverständlich zur fränkischen Kultur- und Alltagslandschaft – das zeigt sich auch bei einer Reise im Zeichen des fränkischen Regenbogens. Stadtführungen beleuchten lange übersehene Lebensgeschichten, Travestie-Künstler:innen und Theatergruppen bringen Vielfalt auf die Bühne, während Pride-Veranstaltungen sowie queere Gastgeber:innen zeigen, wie bunt Franken heute ist. Mal glamourös, mal entspannt entstehen so Orte, an denen Gemeinschaft, Offenheit und Lebensfreude ganz zusammenfinden.
Dennoch blieben viele queere (Lebens-)Geschichten lange unsichtbar. Heute holen Stadtführungen sie zurück ins öffentliche Bewusstsein. Eine davon ist der Rundgang „Queer durch Bamberg“. Er erzählt von Künstler:innen der Weimarer Republik, der AIDS-Krise und Polizeigewalt, aber auch von Selbstbehauptung und Solidarität. Die Teilnehmenden reisen vom Mittelalter bis in die Gegenwart und erfahren so, dass queeres Leben schon immer ein Teil von Bamberg war. Das Pendant dazu ist die Tour „Queer durch Nürnberg“. Unter dem Motto „150 Jahre Emanzipation und Vielfalt“ zeichnet sie die Lebensrealitäten homo- und transsexueller Menschen seit dem späten 19. Jahrhundert nach – zwischen Phasen von Offenheit und massiver Verfolgung (www.geschichte-fuer-alle.de).
Der Nürnberg-Besuch lässt sich bestens mit ein bisschen Shopping verbinden. Eine Empfehlung ist hier das „Rosegardens“ in der Fußgängerzone: Seit fast dreißig Jahren führen Michael Heidrich und Oliver Spiller diesen außergewöhnlichen Concept Store mit Dekoartikeln im britischen Landhausstil, feinen Düften, Pflegeprodukten, Schokolade und Rosen-Spezialitäten. Gleichzeitig engagiert sich das Ehepaar für die Community – etwa beim CSD Nürnberg oder Aktionen zugunsten der Aidshilfe (www.rosegardens.de).
Glanzvolle Stimmen mit Humor und Haltung
Dass queere Kultur in Franken heute gerade in Nürnberg lebendig und kreativ ist, zeigt sich eindrucksvoll auf der Bühne. Dort sorgen die „Trällerpfeifen“ seit Jahrzehnten für musikalische Sichtbarkeit. Als schwuler Chor verbinden sie Humor, Choreografie und starke Stimmen zu aufwendig inszenierten Konzertabenden. 2027 feiern die Trällerpfeifen ihr 30-jähriges Bestehen und richten gemeinsam mit den „Tinnitussis“ – Nürnbergs lesbischem Chor – das süddeutsche queere Chorfestival „Sirena“ aus (www.traellerpfeifen.de, www.instagram.com/tinnitussis_nuernberg). Auch die „Schlampenlichter“ gehören fest zur Nürnberger Kulturszene. Die schwule Theatergruppe bringt seit Jahrzehnten gereimte und fränkisch gefärbte Adaptionen bekannter Stoffe auf die Bühne: humorvoll, trashig und voller Selbstironie (www.instagram.com/die_schlampenlichter). Noch schillernder wird es im „Paradies Revue Theater“, das mit seinem monatlich wechselnden Programm das zweitälteste Travestie-Theater in Deutschland darstellt (travestie.paradies-cabaret.de).
Auch im kleinen Winzerort Handthal, einem Ortsteil von Oberschwarzach, idyllisch gelegen in den Weinbergen des Steigerwalds, ist die Travestie zu Hause – genauer gesagt im „Brunnenhof“. Mehrmals im Jahr verwandeln Travestie-Dinner den Traditionsgasthof in eine Bühne voller Musik, Humor und schillernder Kostüme (www.der-brunnenhof.de). Die Kunst des stilvollen Ausziehens zelebriert am 13. Juni 2026 der „Kissinger Sommer“. An diesem Abend zeigt sich das renommierte Klassikfestival von seiner schillernden Seite, wenn sich bei der Varieté-Burlesque-Revue klassische Kabarett-Kultur mit moderner Travestie- und Varietékunst verbindet (www.kissingersommer.de).
Kunst und Film unterm Regenbogen
Frankens Museen und Kinos öffnen ebenfalls den Blick für queere Perspektiven. Das Bamberger Kino „Odeon“ beteiligt sich regelmäßig an der bundesweiten „Queerfilmnacht“ und zeigt internationale Produktionen rund um Identität, Liebe und gesellschaftliche Rollenbilder (www.lichtspielkino.de). Im Historischen Museum Bamberg wiederum betrachtet eine Führung (nächster Termin: 28. Juni 2026) Werke der städtischen Sammlungen neu aus einer LGBTQIA+-Perspektive. Dadurch ergeben sich überraschend moderne Blickwinkel auf rund 500 Jahre Kunstgeschichte (museum.bamberg.de).
Orte der Offenheit
Queer unterwegs zu sein bedeutet auch, Orte zu finden, die von Akzeptanz und einem respektvollen Miteinander geprägt sind. Auch hier gilt: In Franken findet man diese sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. In Schwabach beispielsweise hat sich der traditionsreiche Burgersgarten unter dem Betreiberpaar Holger und Sven Stark zu einem Treffpunkt für Vielfalt und Gemeinschaft entwickelt. Konzerte, Dragshows und Community-Abende gehören hier ebenso dazu wie Biergartenabende unter alten Bäumen (www.burgersgarten.de).
Im Fränkischen Seenland zeigt das Seecamping Langlau, wie selbstverständlich vielfältiger Campingurlaub heute sein kann. Die Betreiber Odin und Ben Dillamar schufen dafür am Kleinen Brombachsee einen Ort, an dem sich queere Gäste ausdrücklich willkommen fühlen. Veranstaltungen wie das „Queer Summercamp“ gehören inzwischen fest zum Programm (www.seecamping-langlau.de).
Noch mehr Ruhe schenkt die sanfte Hügellandschaft der Haßberge – zum Beispiel im „Amber Ferienhain“ in Sulzbach. Zwischen alten Bäumen und liebevoll gestalteten Unterkünften haben Markus Hofmann und Janosch Liandro einen Rückzugsort geschaffen, der modernes Landleben mit einer weltoffenen Atmosphäre verbindet (www.amber-fh.de). Neu eröffnet 2026 „Das Ziegelanger“ in Zeil am Main als Ort, an dem sich queere Gäste nicht erklären müssen. Pascal Oschee und Markus Bischof haben dafür mit viel Hingabe einen historischen Hof renoviert. Zwei individuell eingerichtete Suiten, eine offene Küche und großzügige Gemeinschaftsbereiche prägen das Konzept. Auch der weitläufige Außenbereich mit Patio und Lounge lädt dazu ein, zur Ruhe zu kommen (www.instagram.com/dasziegelanger). Beide Betriebe zeigen, dass queere Lebensrealitäten längst auch im ländlichen Franken sichtbar sind.
Franken feiert stolz und sicher
Diese Sichtbarkeit trägt die queere Community Frankens auch hinaus auf die Straße. Immer mehr fränkische Städte feiern Christopher Street Days (CSD) und Pride-Veranstaltungen – darunter Coburg, Erlangen, Würzburg, Schweinfurt, Bamberg oder Fürth.
In Coburg steht der CSD 2026 am 20. Juni unter dem Motto „Celebrating Pride“. Er rückt besonders jene Generation in den Mittelpunkt, die sich über Jahrzehnte für Sichtbarkeit und Rechte eingesetzt hat (www.instagram.com/csd.coburg). Zu den größten Veranstaltungen der Region zählen zudem die Nürnberger Prideweeks (22. Juli bis 9. August 2026) mit Konzerten, Lesungen, Filmabenden und natürlich der großen CSD-Demonstration am 8. August 2026 unter dem diesjährigen Motto „Nürnberg liebt“ (www.csd-nuernberg.de).
Gefeiert wird in Frankens queerer Community natürlich nicht nur zum CSD, sondern das ganze Jahr über in Clubs und Bars. In Nürnberg gehören Partyformate wie „Rosa Hirsch“, „Pink Gate“ oder der „Rosa Montag“ auf dem Volksfest seit Jahren zum queeren Nachtleben. In Hof entwickelte sich „Queerbeat“ zur größten LGBTQIA+-Party in Frankens Norden, während in Würzburg die Moritz Bar als sicherer und offener Treffpunkt der Community gilt.
Prickelnd bunt
Als genussvoller Botschafter für Vielfalt versteht sich das Weingut Melber im Fränkischen Weinland. Der Familienbetrieb in Rödelsee verbindet Weinbau bewusst mit einer klaren Haltung: Unter dem Motto „Drink the Rainbow“ entstand deshalb die „Rainbow Collection“ – drei Weißweine, ein Rosé und ein Rotwein bilden gemeinsam einen bunten Genuss-Regenbogen. Darüber hinaus engagiert sich das Weingut auch konkret für die Community. Mit zwei limitierten Pride-Editionen unterstützt Familie Melber den Hamburg Pride e.V. sowie den CSD Berlin e.V.: Von jeder verkauften Flasche des Charity Secco Weiß beziehungsweise Rosé fließen 50 Cent direkt an die jeweiligen Vereine. Gleichzeitig soll das Weingut selbst ein Ort sein, an dem sich queere Gäste willkommen fühlen. Für die Gestaltung der Charity-Editionen arbeitete das Weingut außerdem mit dem Berliner Künstler Rory Midhani zusammen, dessen farbenfrohe Bildsprache queere Lebensrealitäten sichtbar macht – perfekt also, um auf Frankens queere Vielfalt anzustoßen (www.weingut-melber.de).
Bildnachweis: © Franken Tourismus
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