Antalya bildet Hotelmitarbeiter zu Botschaftern antiker Städte aus - Wissen, was im Tourismus los ist!



Türkei
Antalya bildet Hotelmitarbeiter zu Botschaftern antiker Städte aus
Ein gemeinsames Projekt von Hotelverband und Universität soll das kulturelle Erbe der türkischen Mittelmeerregion stärker in den Urlaub integrieren
Antalya bildet Hotelmitarbeiter zu Botschaftern antiker Städte aus

Die türkische Ferienregion Antalya will ihre historischen Sehenswürdigkeiten stärker in den Mittelpunkt des touristischen Angebots rücken. Mit einer neuen Initiative sollen Hotelmitarbeiter zu Vermittlern des kulturellen Erbes ausgebildet werden und internationalen Urlaubern die antiken Städte und archäologischen Stätten der Region näherbringen. Das Projekt „Kültürel Miras Elçileri“ (Botschafter des kulturellen Erbes) wurde vom Hotelverband AKTOB und der Antalya Bilim Universität entwickelt und bezieht neben Antalya auch die benachbarte Provinz Burdur ein.

Zum Auftakt sollen noch im November 2026 insgesamt 48 Mitarbeiter aus zwölf Hotels an dem Programm teilnehmen. Sie erhalten zunächst eine Einführung in die Geschichte der Region, den Denkmalschutz und die Bedeutung archäologischer Fundstätten. Anschließend besuchen sie gemeinsam mit Fachleuten ausgewählte antike Städte, um deren historische Besonderheiten unmittelbar kennenzulernen. Das erworbene Wissen sollen sie später im Gespräch mit Hotelgästen weitergeben und damit das Interesse an kulturellen Ausflügen fördern.

Die Initiative setzt an einer Besonderheit des Tourismus in Antalya an. Die Region zählt zu den wichtigsten Badeurlaubszielen des Mittelmeerraums, verfügt aber zugleich über eine außergewöhnliche Dichte antiker Städte und historischer Monumente. Viele dieser Sehenswürdigkeiten liegen in erreichbarer Entfernung zu den großen Ferienzentren. Das neue Schulungsprogramm soll dazu beitragen, die Verbindung zwischen Strandurlaub und Kulturerlebnis stärker im touristischen Alltag zu verankern.

Sieben antike Städte im Mittelpunkt

Die erste Projektphase konzentriert sich auf sieben archäologische Stätten in Antalya und Burdur. Dazu gehören Perge, Aspendos, Side, Phaselis, Olympos, Termessos und Sagalassos. Die Auswahl umfasst unterschiedliche historische Epochen, Landschaften und Formen antiker Siedlungen.

Perge zählt zu den bedeutendsten Städten des antiken Pamphylien. Monumentale Säulenstraßen, Thermenanlagen und ein großes Stadion vermitteln einen Eindruck von der einstigen Bedeutung der Stadt. Aspendos ist vor allem für sein außergewöhnlich gut erhaltenes römisches Theater bekannt, während sich in Side antike Monumente unmittelbar in das heutige Stadtbild des Ferienortes einfügen.

Phaselis verbindet die Überreste einer historischen Hafenstadt mit Pinienwäldern und Mittelmeerbuchten. Olympos bietet eine ähnliche Verbindung von Natur und Geschichte. Einen anderen Charakter besitzt Termessos, dessen Ruinen hoch im Taurusgebirge liegen und dessen außergewöhnliche Lage bereits den Besuch zu einem landschaftlichen Erlebnis macht.

Sagalassos in der Provinz Burdur ergänzt das Programm um eine bedeutende antike Stadt der historischen Landschaft Pisidien. Die archäologische Stätte ist insbesondere für ihre monumentalen öffentlichen Bauten und ihre Lage im Gebirge bekannt.

Mit dieser Auswahl sollen die Teilnehmer nicht nur einzelne Sehenswürdigkeiten kennenlernen, sondern auch ein Verständnis für die historische und landschaftliche Vielfalt der Region entwickeln.

Kulturvermittlung beginnt bereits im Hotel

Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts ist die geplante Einrichtung eigener Informationsbereiche zum kulturellen Erbe in den teilnehmenden Hotels. Dort sollen die Mitarbeiter ihre Kenntnisse durch Bilder, Videos und weitere Informationen an die Gäste weitergeben können.

Die Teilnehmer werden deshalb bei ihren Besichtigungen auch selbst fotografisches und filmisches Material erstellen. Die Inhalte sollen anschließend für die Präsentation der historischen Sehenswürdigkeiten innerhalb der Hotels genutzt werden.

AKTOB-Präsident Kaan Kaşif Kavaloğlu sieht in der Initiative eine Möglichkeit, das Bewusstsein für das kulturelle Erbe innerhalb der Tourismuswirtschaft zu stärken. Gerade Beschäftigte, die täglich mit internationalen Besuchern in Kontakt stehen, sollten nach seiner Auffassung die Geschichte und die kulturellen Besonderheiten ihrer Heimatregion kennen.

Auch Dr. Caner Ünal, stellvertretender Dekan der Tourismusfakultät der Antalya Bilim Universität, betont den praktischen Ansatz. Die Mitarbeiter sollen historische Orte persönlich erleben, statt sich ausschließlich theoretisches Wissen anzueignen. Dadurch könnten sie die Besonderheiten der Sehenswürdigkeiten später anschaulicher vermitteln.

Das zunächst auf zwölf Hotels begrenzte Programm ist langfristig angelegt und soll schrittweise auf weitere Betriebe und Beschäftigte ausgeweitet werden.

Neue Möglichkeiten für den deutschen Reisemarkt

Für deutsche Reiseveranstalter und Reisebüros könnte die Initiative zusätzliche Ansatzpunkte bieten, klassische Badeurlaubsangebote um kulturelle Erlebnisse zu ergänzen. Besonders interessant ist dabei die Möglichkeit, Gäste bereits während ihres Hotelaufenthalts auf historische Sehenswürdigkeiten aufmerksam zu machen.

Kulturangebote müssen dadurch nicht zwangsläufig Bestandteil einer vollständig organisierten Rundreise sein. Auch einzelne geführte Ausflüge, Besuche archäologischer Stätten oder Kombinationen mit regionaler Gastronomie lassen sich in bestehende Urlaubsprogramme integrieren.

Für den stationären Reisevertrieb ergeben sich daraus zusätzliche Beratungsansätze. Antalya kann nicht nur als Destination für Strandurlaub und All-Inclusive-Aufenthalte präsentiert werden, sondern auch als Ausgangspunkt für Entdeckungen einer historisch außergewöhnlich vielfältigen Region.

Eine stärkere Verbindung von Bade- und Kulturtourismus könnte darüber hinaus den Ganzjahrestourismus unterstützen. Gerade im Frühjahr und Herbst bieten Besichtigungen antiker Städte und historische Themenrouten Alternativen zum klassischen Sommerurlaub.

Ob das Projekt eine breitere Wirkung entfaltet, hängt allerdings von seiner weiteren Umsetzung ab. Neben der geplanten Ausweitung der Schulungen werden mehrsprachige Informationsangebote, die Zusammenarbeit mit qualifizierten Reiseleitern und der verantwortungsvolle Umgang mit archäologischen Stätten entscheidend sein. Die Ausbildung der ersten 48 Hotelmitarbeiter bildet dafür einen konkreten Ausgangspunkt.

Bildnachweis: © Tourexpi


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