Baraner: ‘Eine kurze Geschichte der deutsch-türkischen Tourismuswirtschaft’ - Wissen, was im Tourismus los ist!



Türkei
Baraner: ‘Eine kurze Geschichte der deutsch-türkischen Tourismuswirtschaft’
In den wunderbaren Räumlichkeiten der Gastronometro, in der die größte Kochakademie der Türkei errichtet wurde, haben sich gestern eine Reihe deutsch-türkischer Industrieller auf Einladung der Auslandshandelskammer (AHK) Istanbul getroffen. Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mehmet Nuri Ersoy, und ich hielten dort eine Rede. Hier können Sie eine Kurzfassung der Geschichte des deutsch-türkischen Tourismus aus meiner Perspektive lesen.
Baraner: ‘Eine kurze Geschichte der deutsch-türkischen Tourismuswirtschaft’

Die Geschichte der Begegnung zwischen Deutschen und Türken durch den Tourismus hat im Grund Ende der 1960er Jahre begonnen, als die ersten, vorwiegend deutschen Kulturtouristen die Ägäis, Anatolien und die Mittelmeerküste der Türkei mit ihren Naturwundern, abwechslungsreichen und schönen Landschaften sowie den faszinierenden antiken und führgeschichtlichen Kulturstätten für sich entdeckten.

Damals waren diese interessierten und aufgeschlossenen Menschen überrascht von den Naturschönheiten und den Sehenswürdigkeiten des Landes, und in den 1970er Jahren galt die Türkei in Deutschland als Geheimtipp. Die großen Reiseveranstalter hatten die Türkei noch nicht im Programm, und so hatten an Kultur und Geschichte interessierte Reisende das Land noch weitgehend für sich alleine.

Das sollte sich Anfang der 80er Jahre mit der Wahl Turgut Özals zum Ministerpräsidenten ändern. Aufgrund seiner Liebe zum Tourismus ebnete Özel den Weg für die Freigabe von Baugrundstücken und für die Unterstützung vieler Firmen mit günstigen, ja, zum Teil auch zinslosen Krediten.

So wurde die Türkei 1983 schließlich auch von den großen Reiseveranstaltern aus Deutschland als Ziel für Pauschalreisen entdeckt.

Im Mai 1983 fand dann der erste Flug von Condor statt, bei dem ich damals auch mit an Bord war. Er startete in Düsseldorf und flog mit einem Zwischenstopp in München bis nach Antalya. Dort begrüßten wir die Passagiere im Beisein des damaligen Provinzgouverneurs Selahattin Güney mit türkischen Köstlichkeiten.

Anfang der 80er Jahre gab es in der gesamten Türkei lediglich einige Zehntausend Hotelbetten. Doch ab 1984 kam dann an der gesamten Küste des Landes, vor allem jedoch in und um Antalya, fast jeden Monat ein neues Hotel hinzu. Und diese Hotels wurden mit neuen Konzepten errichtet. Sie hatten einen großen Swimmingpool, besaßen die ersten Spa- und Fitnessbereiche und ausnahmslos weitläufige Gärten. Sie lagen außerdem alle direkt am Meer. Damit begeisterten sie die Gäste aus Europa und vor allem auch die Besucher aus Deutschland.

Damals war unser Slogan „Türkei – Urlaub mit Freunden“. Die Türkei wurde zu einer Begegnungsstätte für die deutsch-türkischen Beziehungen. Tausende von Vereinen und Verbänden buchten ihre Kongresse, aber auch private Urlaube in der Türkei, um mit Freunden und Partnern zusammenzukommen. Am Erfolg der neuen Hotels hatte auch die Gesellschaft für Entwicklung und Zusammenarbeit (GEZ) einen erheblichen Anteil, denn sie hat vielen türkischen Hotels bei der Auswahl der richtigen Projekte geholfen.

Der Erfolg der türkischen Hotels führte auch schnell zur Entstehung der ersten türkischstämmigen Reiseveranstalter in Deutschland, die sogleich etliche tausend Deutsche in die Türkei beförderten. Ab Mitte der 80er Jahre führte der deutsch-türkische Tourismus somit hier in der Türkei zur Ausbildung einer Hotelbranche, und in Deutschland entstanden türkische Reiseveranstalter und eine ganze Branche türkischer Reisebüros. Das alles haben wir den engen deutsch-türkischen Beziehungen zu verdanken.

Mit dem Beginn der 1990er Jahre wurde das Geschäft dann etwas schwieriger, da die politischen Spannungen zunahmen. Hinzu kamen die Golfkriege und -krisen, auch hin und wieder warfen auch Bombenanschläge von Terroristen für Investoren und Reiseveranstalter die Frage auf, wie es weitergehen wird. Man war sich unsicher, ob der Tourismus in der Türkei unter diesen Bedingungen weiter wachsen können würde.

Dazu trug auch die Katastrophe des großen Erdbebens im Marmaragebiet südlich von Istanbul bei, bei dem Zehntausende von Menschen das Leben verloren. Und auch die Terrordrohungen im Jahr 1999 sorgten dafür, dass man damals als deutsch-türkischer Touristiker sehr vorsichtig war und die Zukunft nicht zuverlässig planen konnte.

Die tiefreichenden und intensiven deutsch-türkischen Beziehungen haben aber auch diese Probleme überwinden können, so dass der Türkeitourismus seither stätig gewachsen ist. Wie groß dieses Wachstum in doch relativ kurzer Zeit war, kann man sich vergegenwärtigen, wenn man sich vor Augen führt, dass die wenigen Zehntausend Hotelbetten, die es 1983 gab, auf heute nahezu zwei Millionen Betten angewachsen sind.

Einen immensen Schub erlebte der Türkei-Tourismus nach der Auflösung der Sowjetunion und der Liberalisierung von Auslandsreisen in Russland. Durch die hinzugekommenen immensen Einnahmen durch die russischen Touristen hat die Türkei in luxuriöse Hotels investieren können, so dass Einrichtungen wie große Wellnessabteilungen, Restaurants mit Buffet und à la Carte, Unterhaltung, Fitness, ganzen Pool-Landschaften und Kids Clubs in der Türkei fast schon zu Selbstverständlichkeiten wurden. So wurden die türkischen Hotels für europäische Urlauber im Hinblick auf Preise und Service nachgerade unschlagbar.

Seit dieser Zeit kauften sich auch immer mehr Deutsche, vor allem solche, die bereits in Rente und im Ruhestand sind, Ferienwohnungen und -häuser an den türkischen Küsten, in denen sie sich niederließen. Sie fühlten sich in der Türkei sehr wohl, und vor allem die Freundschaft der Türken ist für viele zu einer Art Schirm geworden, der sie vor vielen Sorgen schützt.

Als Urlaubsland ist die Türkei 2005 unter die TOP Ten weltweit vorgestoßen und somit im Hinblick auf Kapazität und Höhe der Zahl der Besucher aus dem Ausland zu einer Weltgrößte geworden. Sie war damit wohl noch nicht zum Spielmacher, aber gleichwohl zu einem bedeutenden Mitspieler geworden, mit dem man stets rechnen musste.

Auch mit Hilfe der deutschen Reiseveranstalter, Reisebüros und Investoren hat die Türkei ihre Reisebranche und ihre Produkte so intensiv ausgebaut, dass sie inzwischen Gäste aus mehr als achtzig Ländern empfängt und damit nicht mehr so sehr von den großen Quell-Ländern wie Deutschland und Russland abhängig ist wie das noch vor wenigen Jahren der Fall war.

Gleichwohl ist die Türkei auch für die deutsche Reisebranche immer noch eines der wichtigsten Urlaubsländer. Der Anteil des Türkeigeschäfts der 11.000 deutschen Reisebüros beträgt im Durchschnitt bereits 18 Prozent. Das heißt, das jede fünfte verkaufte Pauschalreise eine Reise in die Türkei ist. Bei vielen Reisebüros liegt dieser Anteil noch wesentlich höher, und kann sogar mehr als die Hälft betragen. Dennoch kann der Anteil des Türkeitourismus am deutschen Reisegeschäft in den kommenden Jahren noch deutlich weiter ausgebaut werden. Da ist noch viel Luft nach oben.

Außerdem haben laut unseren Recherchen, Berechnungen und Schätzungen in den vergangenen 40 Jahren bisher lediglich 18 Millionen Deutsche die Türkei besucht. Dabei handelt es sich in der Mehrzahl um Wiederholer, von denen viele einmal jährlich in die Türkei reisen und andere zumindest alle zwei, drei Jahre.

Die Türkei hat es aber nicht geschafft, wie Spanien die Hälfte der Deutschen wenigstens einmal zu Besuch im Land gehabt zu haben. Deshalb wollen wir mit unserem neuen Minister Mehmet Nuri Ersoy auch durch unsere smarte Produktdiversifikation erreichen, dass auch Deutsche, die noch nicht in der Türkei waren, einmal den Weg dorthin finden.

Dabei werden wir vor allem die folgenden Themen in den Vordergrund stellen:

1.    Wir werden weiterhin auf den Familienurlaub setzen, von kleinen Familien bis hin zur XXL-Familie, und dabei auch Vertreter aller Preissegmente willkommen heißen.

2.    Wir werden die Türkei zu einem neuen Zentrum der Lebensfreude und zu einer Begegnungsstätte für deutsche Senioren ausbauen.

3.    Die Türkei wird noch viel stärker als bisher in Sport- und Gesundheitstourismus investieren.

4.    Mit verschiedenen Events von musikalischen bis hin zu Bildungsveranstaltungen wird die Türkei neue Projekte ausarbeiten und präsentieren, die sich vor allem an Jugendliche wenden.

5.    Auch die Vermarktung der Türkei in Deutschland wird diversifiziert werden. Dabei wird das Ministerium in Zukunft verstärkt darauf achten, mehr auf Verbände und Vereine zuzugehen und die Türkei in direkter Kommunikation zu präsentieren.

6.    Der neue Istanbul-Flughafen, der in wenigen Monaten vollständig in Betrieb gehen soll, wird eine neue Hub für Deutschland werden. Er wird von allen kommerziellen Flughäfen Deutschlands aus oft sogar mehrfach täglich angeflogen werden. Über ihn wird man auch die vielen Städte der Türkei sowie die wunderbaren kulturellen Schätze Anatoliens sehr leicht erreichen können.

7.    Es wird für einen Münchener leichter und schneller sein, Istanbul zu erreichen, als Hamburg oder Berlin, und dadurch werden wir auch viele spontane Kulturreisenden begrüßen können, die nur für ein paar Tage oder auch ein Wochenende Urlaub in der Türkei machen wollen.

Auf der anderen Seite sind die türkischen Fluggesellschaften auch zu wichtigen Hauptkunden für Flughäfen in Deutschland geworden. Bei vielen ländlichen Flughäfen steht die Zahl der Türkeiflüge an erster Stelle, und mit Ausnahme der großen Flughäfen Deutschlands ist die Türkei bei vielen kleineren Flughäfen inzwischen zum Haupt-Flugziel geworden.

Nicht zuletzt darf man auch sehr erfreut darüber sprechen, dass der Tourismus viele Arbeitsplätze in der Türkei und auch in Deutschland geschaffen hat. In Deutschland ist allein im Bereich Pauschalreisen in die Türkei im laufenden Jahr ein Umsatz von 4,2 Milliarden Euro erzielt worden. Davon gehen 2 Milliarden an türkische Hotels, die ihre Beträge aus Deutschland überwiesen bekommen. Etwa 500 Millionen Euro gehen an die türkischen Fluggesellschaften, und weitere 200 Millionen Euro verdienen die türkischen Incoming-Unternehmen an. Der Rest des Geldes bleibt als Versicherung, Provision und Zahlung an deutsche Fluggesellschaften in Deutschland.

Wir teilen die Einnahmen aus dem Tourismus also nahezu gleich unter uns auf – es ist ein Nehmen und Geben.

Die Reisebranche der Türkei will die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen im Tourismus weiter ausbauen, und wir wollen mit unseren deutschen Freunden auch gemeinsam in Drittländern in den Gebieten Balkan, Kaukasus, Arabien und Afrika investieren.

Das sind die Themen, die wir auf unserer Agenda haben. Wir haben viel zu tun, und darüber freuen wir uns sehr.

Hüseyin Baraner




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