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Der europäische Reisemarkt zeigt sich auch 2026 widerstandsfähig. Nach einem neuen Bericht von Amadeus und UN Tourism stieg das Passagieraufkommen in Europa zwischen Mai 2025 und April 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 2,3 Prozent. Gleichzeitig legte die Hotelauslastung um 2 Prozent zu, während die durchschnittlichen Tagespreise um weitere 7 Prozent anzogen.
Der Bericht „Travel Insights 2026: Focus on Europe“ weist zugleich auf eine Verschiebung der Nachfrage hin. Neben den klassischen Urlaubszielen gewinnen vor allem Destinationen in Nord-, Mittel- und Osteuropa an Bedeutung. Besonders reisefreudig zeigen sich Gäste aus Japan, während Urlauber zwischen 46 und 65 Jahren das größte Nachfragesegment bilden.
Japan sorgt für kräftiges Wachstum
Japan entwickelt sich zum stärksten Wachstumsmotor für Langstreckenreisen nach Europa. Die Suchanfragen aus dem Land stiegen um 62 Prozent, die tatsächlichen Buchungen um 12 Prozent. Damit lag Japan beim Buchungswachstum zehn Prozentpunkte vor dem nächststärkeren Herkunftsmarkt Dänemark.
Besonders deutlich fiel der Anstieg in Mittel- und Osteuropa aus, wo die Buchungen japanischer Gäste um 28 Prozent zulegten. In Süd- und Mittelmeereuropa betrug das Wachstum 14 Prozent, in Westeuropa 10 Prozent und in Nordeuropa 8 Prozent.
„Mit Travel Insights 2026: Focus on Europe teilen wir Trends und Erkenntnisse, die wir aus unseren weltweiten Such- und Buchungsdaten abgeleitet haben. Auch wenn das Reisen in Europa aufgrund des globalen Gesamtkontexts mit gewissen Unsicherheiten verbunden ist, bleibt die Nachfrage auf dem gesamten Kontinent stabil“, erklärt Javier Campo, Vice President Commercial Europe Hospitality bei Amadeus.
Nach seinen Worten bieten insbesondere die steigende Nachfrage aus Japan und das Interesse an weniger bekannten Reisezielen neue Chancen für Destinationen. „Diese Erkenntnisse können Destination-Management-Organisationen für sich nutzen, um Suchanfragen in Buchungen zu konvertieren.“
Internationale Ankünfte setzen Wachstum fort
Nach Angaben des World Tourism Barometer von UN Tourism reisten im ersten Quartal 2026 insgesamt 4 Prozent mehr internationale Gäste nach Europa als im Vorjahreszeitraum. Damit setzte sich die positive Entwicklung aus dem Jahr 2025 fort, als ein Wachstum von 5 Prozent verzeichnet worden war.
Der südliche Mittelmeerraum und Nordeuropa legten jeweils um 4 Prozent zu. Mittel- und Osteuropa erreichten ein Plus von 6 Prozent, während die Zahl der internationalen Ankünfte in Westeuropa um 2 Prozent stieg.
„Wir wollen unsere Mitglieder dabei unterstützen, Tourismus nachhaltig und inklusiv weiterzuentwickeln. Und den Anfang macht eine einfache Frage: In welche Richtung geht die Nachfrage?“, sagt Shaikha Al Nuwais, Generalsekretärin von UN Tourism.
Die Daten zeigten, dass Reisende zunehmend Orte suchten, die noch Entdeckergefühle weckten. „Davon werden vor allem Reiseziele profitieren, die bereit sind, sich erforschen zu lassen, bevor der Rest der Welt auf sie aufmerksam wird.“
Tschechien und Island wachsen besonders schnell
Unter den etablierten europäischen Reisezielen verzeichneten Tschechien und Island die stärksten Zuwächse. Die Buchungen stiegen dort im Vergleich zum Vorjahr um 9 beziehungsweise 7 Prozent.
Die Entwicklung deutet darauf hin, dass Reisende verstärkt nach kulturellen Städtereisen und Naturerlebnissen außerhalb der klassischen Tourismuszentren suchen. Auch bei den Suchanfragen zeigt sich eine breitere geografische Streuung.
Usbekistan und Tadschikistan erreichten jeweils ein Wachstum von 64 Prozent. Deutlich häufiger gesucht wurden außerdem die Schweiz und Schweden mit jeweils 36 Prozent, Dänemark mit 34 Prozent, Irland mit 33 Prozent, Belgien mit 32 Prozent und Norwegen mit 31 Prozent.
Reisende zwischen 46 und 65 Jahren prägen den Markt
Die Altersgruppe der 46- bis 65-Jährigen steht inzwischen für rund 30 Prozent der gesamten touristischen Nachfrage in Europa und bildet damit das größte Einzelsegment.
Nach Einschätzung von Amadeus interessieren sich diese Reisenden besonders für authentische lokale Erlebnisse, kulturelle Angebote und Themen rund um Wohlbefinden. Ihre Nachfrage wirkt sich auch auf die Entwicklung des europäischen Hotelmarkts aus.
Der durchschnittliche Zimmerpreis lag in den vergangenen zwölf Monaten europaweit bei rund 215 US-Dollar. Im Juni 2025 erreichte er mit 249 US-Dollar seinen Höchststand. Frankreich führte die wichtigsten Märkte mit durchschnittlich 441 US-Dollar im Juni und 391 US-Dollar im Juli an.
Hohe Auslastung und längerer Buchungsvorlauf
Die Hotelauslastung lag in Europa zwischen Mai und Oktober 2025 durchgehend bei mindestens 73 Prozent. Im September wurde mit fast 80 Prozent der höchste Wert erreicht.
Zugleich buchen viele Reisende vergleichsweise früh. Rund 48 Prozent aller Reservierungen erfolgen mehr als einen Monat vor der Anreise. Für September 2026 liegt die derzeitige Auslastung bereits bei 25 Prozent. Zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres waren es 22 Prozent.
Die Zahlen sprechen dafür, dass das Interesse an Europareisen auch in der kommenden Hochsaison stabil bleiben dürfte. Gleichzeitig eröffnet die wachsende Nachfrage nach weniger bekannten Zielen neue Chancen für Regionen, die mit eigenständigen Geschichten, Naturerlebnissen und kulturellen Angeboten auf sich aufmerksam machen.
Bildnachweis: © Amadeus
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