Die kaiserliche Perle Fès – Marokkos älteste Medina als lebendiges Kulturerbe - Wissen, was im Tourismus los ist!



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Die kaiserliche Perle Fès – Marokkos älteste Medina als lebendiges Kulturerbe
Zwischen Handwerk, Spiritualität und Geschichte entfaltet Fès seinen besonderen Zauber in einer der ältesten Altstädte der islamischen Welt
Die kaiserliche Perle Fès – Marokkos älteste Medina als lebendiges Kulturerbe

Fès gilt als kulturelles Herz Marokkos. Kaum eine andere Stadt verbindet gelebte Geschichte, traditionelles Handwerk und spirituelles Erbe so dicht wie die Königsstadt im Norden des Landes. Zentrum dieses einzigartigen Gefüges ist die von der UNESCO als Welterbe anerkannte Medina, deren Atmosphäre Besucher unmittelbar in ihren Bann zieht.

Ein Labyrinth der Sinne

Der Weg in die Altstadt führt durch monumentale Stadttore, allen voran das westliche Bab Bou Jeloud, auch als Blaues Tor bekannt. Mit seinen außen blau und innen grün schimmernden Mosaiken bildet es den symbolischen Übergang in eine andere Welt. Dahinter öffnet sich ein dichtes Geflecht aus schmalen Gassen, Moscheen, Souks und Plätzen. In mehr als 9.000 autofreien, teils nur etwa 50 Zentimeter breiten Gässchen wird Orientierung zur Nebensache. Sich treiben zu lassen, gehört hier zum Erlebnis – ebenso wie das zufällige Entdecken von Werkstätten, Innenhöfen und jahrhundertealter Architektur.

Traditionelles Handwerk in den Gerbereien von Chouara

Zu den bekanntesten Orten der Medina zählen die Gerbereien von Chouara. Schon im Mittelalter war Fès für seine Lederverarbeitung berühmt, und bis heute wird hier nach traditionellen Methoden von Hand gegerbt. Von den umliegenden Terrassen eröffnet sich ein Blick auf die großen, farbigen Becken, die ein eindrucksvolles Mosaik bilden. Der intensive Geruch gehört zur Authentizität des Ortes, frische Minze, die Händler anbieten, sorgt für etwas Erleichterung.

Stille Orte mitten im Trubel

Nur wenige Gehminuten entfernt liegt die Medersa Attarine, eine ehemalige Koranschule aus dem 14. Jahrhundert. Von außen zurückhaltend, entfaltet sie im Inneren eine besondere Wirkung. Fliesen, Mosaike, Stuckarbeiten und Holzschnitzereien rahmen einen nahezu quadratischen Innenhof, dessen Gestaltung auf allen vier Seiten variiert. Vor allem in den Abendstunden, wenn das Gebäude stimmungsvoll beleuchtet ist, wird die Medersa zu einem Ort der Ruhe und des Staunens.

Al-Qarawiyin – religiöses und geistiges Zentrum

Die Al-Qarawiyin-Moschee gilt als ältester erhaltener Moscheebau Marokkos. Ihr Ursprung reicht fast 1.200 Jahre zurück, im Laufe der Jahrhunderte wurde sie kontinuierlich erweitert und ausgeschmückt. Angeschlossen ist die Al-Qarawiyin-Universität, die als älteste Bildungseinrichtung der islamischen Welt und möglicherweise weltweit gilt. Ihre Handschriftenbibliothek bewahrt kostbare Manuskripte auf Pergament, darunter Prophetenbiografien und religiöse Schriften. Im Zentrum des Innenhofs befindet sich ein dreiteiliges Brunnenbecken für die rituellen Waschungen.

Souks und Alltagskultur

Die Medina von Fès wirkt auf den ersten Blick wie ein einziger großer Markt, tatsächlich sind die Souks thematisch gegliedert. Obst und Gemüse, Gewürze, Kunsthandwerk, Speisen und Kosmetikprodukte werden in eigenen Vierteln angeboten. Das Feilschen gehört zur Kultur und macht den Einkauf ebenso lebendig wie die Vielfalt der Waren selbst.

Musik, Landschaft und Kontraste

Ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens ist das Festival der sakralen Weltmusik, das jedes Jahr im Mai in der Medina stattfindet. Konzerte in historischen Gebäuden und auf beleuchteten Plätzen verbinden Musik, Gesang und Tanz zu intensiven Erlebnissen. Wer Abstand vom urbanen Trubel sucht, findet ihn im Umland: Rund 60 Kilometer entfernt beginnt der Mittlere Atlas mit Zedernwäldern, Bergseen und Wanderwegen. Die auf 1.650 Metern gelegene Stadt Ifrane bietet einen überraschenden Kontrast zur lebhaften Medina und gilt als Rückzugsort in kühler Höhenlage.

Fès vereint Geschichte und Gegenwart auf engstem Raum. Die Stadt ist nicht nur ein Zeugnis vergangener Epochen, sondern ein lebendiger Organismus, in dem Tradition, Alltag und Kultur bis heute eng miteinander verwoben sind.

Bildnachweis: © Fremdenverkehrsamt Marokko


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