Mikwe, Tahara und Talmud: Spuren jüdischer Geschichte an der Romantischen Straße - Wissen, was im Tourismus los ist!



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Mikwe, Tahara und Talmud: Spuren jüdischer Geschichte an der Romantischen Straße
Ein termingenauer Neustart für den Tourismus steht in diesen pandemischen Zeiten weiterhin in den Sternen, das heißt aber nicht, dass touristische Leistungsträger und Organisationen untätig bleiben.
Mikwe, Tahara und Talmud: Spuren jüdischer Geschichte an der Romantischen Straße

Denn gerade jetzt heißt es in Vorbereitung auf die kommende Saison, neue Ideen- und Themenfelder zu bearbeiten und in marktgerechte und aktuelle Reiseangebote umzusetzen. Die Romantische Straße Touristik Arbeitsgemeinschaft fügt ihrer beeindruckenden Themenvielfalt im Programmangebot eine weitere Komponente hinzu, die das Jubiläum „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ zum Anlass nimmt, Gäste auf die Spuren jüdischer Geschichte entlang der Romantischen Straße zu führen. Dabei entstehen interessante Einblicke in ein kulturelles und religiöses jüdisches Leben, das bedeutende Zeugnisse und Orte der Geschichte sicht- und erlebbar macht.

Ob Mikwe, Tahara oder Talmud: Jüdisches Leben in Deutschland hat eine lange Tradition, die nachweislich bis ins Jahr 321 zurückreicht. Bereits 313 hatte der römische Kaiser Konstantin mit der Mailänder Vereinbarung die Religionsfreiheit für alle eingeführt. Am 11. Dezember 321 erließ er ein Edikt, mit dem die Berufung von Juden in Ämter der Kölner Stadtverwaltung erlaubt wurde. Das ist der Anlass, im Jahre 2021, also 1700 Jahre später, ein jüdisch-deutsches Festjahr zu begehen, das die wechselvolle Geschichte jüdischen Lebens in Deutschland in den Mittelpunkt rückt.

Die Jüdische Gemeinde in Würzburg und Unterfranken zum Beispiel unterhält mit dem Gemeindezentrum und dem Museum Shalom Europa eine besondere Begegnungsstätte mit der Zielsetzung, eine Darstellung des traditionell-jüdischen Lebens in allen seinen Facetten zu präsentieren. Dazu gehören theologische Aspekte ebenso wie das Museumshaus und die Synagoge selbst, aber auch die 900-jährige Geschichte der Juden in Würzburg. Das Museum lädt alle Besucher ein, jüdische Grundwerte kennenzulernen und einer weltläufigen, verständigen Orthodoxie zu begegnen, die kulturelle Zusammenhänge in einer christlichen Stadt mit ihren jüdischen Beiträgen lebendig werden lässt. Eine Besonderheit von Shalom Europa ist der weltweit größte Fund an Grabsteinen aus einem mittelalterlichen jüdischen Friedhof, die sogenannten „Judensteine aus der Pleich”. Mehr als 1500 Grabsteine und Grabsteinfragmente aus der Zeit von 1129 bis 1346 haben hier ihren endgültigen Verbleib gefunden. www.museumshalomeuropa.de

In Wertheim liegt einer der ältesten Friedhöfe Deutschlands: der jüdische Friedhof Wertheim wurde 1406 angelegt und bis ins 20. Jahrhundert genutzt. Er ist somit älter als der weithin bekannte Friedhof in Prag. Im Jahre 1714 wurde er vergrößert durch die Stiftung des Wiener Hofbankiers Samson Wertheimer. Der Friedhof liegt am Schlossberg gegenüber der Mainbrücke und ist mit heute 72 Grabsteinen allein aus dem 15. Jahrhundert einer der ältesten Friedhöfe Deutschlands und der älteste erhaltene jüdische Friedhof Baden-Württembergs. Die letzte Bestattung fand hier 1938 statt. Die Geschichte jüdischen Lebens und Schaffens in Wertheim steht im Mittelpunkt einer Führung, die auch auf den jüdischen Friedhof führt. www.tourismus-wertheim.de

Als Etappenziel des Jüdischen Kulturweges Hohenlohe-Tauber liegt der jüdische Friedhof Weikersheim etwas außerhalb der Stadt. Er besteht bereits seit 1730. Zuvor musste die jüdische Gemeinde ihre Toten bei Zahlung eines Weg- und Leichenzolls im Deutschordensgebiet von Unterbalbach bestatten. Der damals residierende Graf Carl Ludwig erlaubte der jüdischen Gemeinde die Errichtung eines eigenen Friedhofes mit den üblichen jüdischen Begräbnisvorschriften. Diese besagen, dass die Toten mit dem Blick nach Osten sowie unter Einhaltung eines Zwischenraumes von sechs Handbreiten zwischen den Gräbern beerdigt werden. Außerdem bleiben die Grabsteine stehen, bis sie verwittert sind. Das Grab vom Vorsteher der jüdischen Gemeinde Lämmle trägt die Nr. 220 und die Inschrift: „Hier ist geborgen und begraben Lämmle ben Ascher Seligmann“ sowie die hebräische Jahreszahl, aus der sich als Datum Donnerstag, 17. Juli 1742 ergibt. Lämmle Seligmann war der Hofbankier am Grafenhof. Der jüngste Grabstein hat die Nr. 707 mit der Jahreszahl 1941. In diesem Jahr verlieren sich auch die Spuren der letzten beiden Juden aus Weikersheim. www.weikersheim.de

Im Stadtzentrum Creglingens befindet sich das Jüdische Museum Creglingen. Die Dauerausstellung „Wurzeln und Wege“ thematisiert die jüdische Geschichte der beiden Taubertäler Landgemeinden Creglingen und Archshofen vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis 1939. Sie zeigt jüdisches Leben, Wege, Schicksale und das Weiterleben mit der Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit tauberfränkischer Juden und Nichtjuden. www.stiftung-jmc.de

Wer jüdische Geschichte in Rothenburg ob der Tauber sucht, begibt sich auf die Spuren des bekannten Rabbi Meir Ben Baruch, an dessen berühmte Talmud-Schule eine Tafel am Kapellenplatz erinnert. Auch in Rothenburg waren Juden zeitweise mehr oder minder geduldet, in anderen Zeiten wurden sie gnadenlos verfolgt. 1520 wurde es Juden gänzlich verboten, die Stadt zu betreten. Erst 350 Jahre später, im Jahre 1870 siedelten sich wieder Familien mit jüdischer Abstammung in Rothenburg an. Eine Vielzahl von Spuren und historischen Zeugnissen aus Jahrhunderten jüdischer Geschichte sind der Stadt erhalten geblieben. Man kann an informativen Führungen teilnehmen, oder einen individuellen Rundgang unternehmen und dabei den Kapellenplatz, den Weißen Turm mit dem Judentanzhaus, die Judengasse und den Klosterhof besuchen. Das Haus Judengasse 10 mit der Mikwe, dem rituellen Tauchbad, wird derzeit von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz komplett renoviert und erhalten. www.rothenburg-tourismus.de

In Harburg im schwäbischen Donau-Ries befindet sich ein jüdischer Friedhof, der im 17. Jahrhundert errichtet wurde. Er liegt oberhalb des Ortes auf der Anhöhe am Waldrand. Die erste Erwähnung erfolgte am 10. März 1671, als der Oettingische Landesherr versprach, einen halben Morgen Ackerland am Hühnerberg zur Nutzung als jüdische Begräbnisstätte zu verkaufen. Die letzte Beisetzung fand hier im Jahr 1938 statt. Heute sind noch 269 Grabsteine erhalten, außerdem gibt es ein Taharahaus in der Nähe des Eingangs, in dem die Leichenwaschungen vollzogen wurden. Auch das 1693 erbaute Hertle Haus in Harburg ist sehenswert. In dem mehr als 300 Jahre alten denkmalgeschützten Gebäude wurde 2005 ein jüdisches Tauchbad, eine Mikwe, gefunden. www.stadt-harburg-schwaben.de

Auch das Jüdische Museum Augsburg Schwaben zeigt immer wieder bedeutende Ausstellungen zu aktuellen Themen unserer Zeit. Das Museum wurde 1985 als erstes selbstständiges Jüdisches Museum in Deutschland gegründet. Damals sollte es vor allem Ritus und Kultur des durch die Nationalsozialisten beinahe vollständig ausgelöschten schwäbischen, deutschen und europäischen Judentums präsentieren. Im Laufe der Zeit hat sich die inhaltliche Ausrichtung stark gewandelt: Weg von der Präsentation von „dem“ Judentum und „der“ jüdischen Religion hin zu pluralen Ansätzen, die die Vielfalt jüdischer Lebenswirklichkeiten erzählen. Heute präsentiert das Museum in temporären Ausstellungen, der Dauerausstellung und im öffentlichen Raum die Vielfalt jüdischer Lebenswelten und die Bezüge zu aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen. „Schalom Sisters*! Jüdisch-feministische Positionen“ heißt etwa eine Ausstellung, die bis Ende August 2021 an verschiedenen Orten in Augsburg läuft. www.jmaugsburg.de

Weitere attraktive Programme, Routen, Orte und Sehenswürdigkeiten findet man auf der Website und in den Infopaketen der Romantischen Straße, die unter www.romantischestrasse.deangefordert werden können

Bildnachweis: Rothenburg Weißer Turm © PRB


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