Tourexpi
Mit
dem Abschluss des Forschungsprojekts D-KULT liegen erstmals belastbare
Ergebnisse zur gezielten Reduzierung klimawirksamer Effekte im Luftverkehr vor.
Im Fokus der Untersuchungen stand die Frage, wie sich langlebige
Kondensstreifen vermeiden lassen, die neben CO₂ zu den relevanten Klimafaktoren
des Fliegens zählen.
Forschungsschwerpunkt
Kondensstreifen
Das
vom Bundeswirtschaftsministerium geförderte Projekt D-KULT (Demonstrator Klima-
und Umweltfreundlicher Lufttransport) lief von Juni 2022 bis August 2025 im
Rahmen des Luftfahrtforschungsprogramms LuFo VI-2. Ziel war es, Verfahren zu
entwickeln, mit denen Flugzeuge Regionen umgehen können, in denen sich
besonders häufig langlebige Kondensstreifen bilden.
Diese
sogenannten Potential Persistent Contrail-Gebiete entstehen in eisübersättigten
Luftschichten und tragen erheblich zur Erwärmung der Atmosphäre bei.
Taktische
Vermeidung stößt an Grenzen
Ein
erster Ansatz bestand in der taktischen Vermeidung. Dabei wurden Flugzeuge im
laufenden Flugsicherungsbetrieb um entsprechende Gebiete herumgeführt.
Realzeitsimulationen zeigten jedoch deutliche Einschränkungen.
Rein
taktische Umleitungen führten zu erheblichen Kapazitätsverlusten im Luftraum.
Gleichzeitig stieg der Arbeitsaufwand für Fluglotsinnen und Fluglotsen spürbar.
Die Ergebnisse machten deutlich, dass dieser Ansatz im Regelbetrieb derzeit
nicht praktikabel ist.
Strategische
Flugplanung als Alternative
Deutlich
vielversprechender erwies sich der strategische Ansatz. Hierbei wurden
Flugplanungssysteme der Airlines um Klimaoptimierungsfunktionen erweitert.
Routen konnten so bereits vor dem Start angepasst werden.
In
einem Test mit 100 Flügen gelang es, relevante Kondensstreifen-Gebiete gezielt
zu umfliegen. Die Untersuchungen zeigten jedoch auch, dass Planung und
Umsetzung bislang mit erheblichem manuellem Aufwand verbunden sind. Eine
direkte Überführung in den Regelbetrieb ist daher noch nicht möglich.
Weitere
Untersuchungen zur Klimabilanz
Vor
einer breiten Anwendung sind zusätzliche Analysen notwendig. Derzeit
untersuchen Fachleute des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt die
Auswirkungen auf Treibstoffverbrauch und Gesamtklimabilanz.
Eine
tatsächliche Klimaverbesserung ergibt sich nur dann, wenn der Nutzen der
Umfliegung die zusätzlichen CO₂-Emissionen übersteigt. Erste Berechnungen
deuten auf Potenziale hin, zugleich bestehen weiterhin Unsicherheiten bei
Wetter- und Klimadaten.
Vor
diesem Hintergrund intensiviert die DFS den wissenschaftlichen Austausch mit
dem DLR und dem Deutschen Wetterdienst. Das DLR koordiniert das Projekt D-KULT
und war mit mehreren Instituten beteiligt.
Forschung
als langfristiger Prozess
„D-KULT
hat wichtige Grundlagen geschaffen, doch die Forschung muss weitergehen –
national wie international“, sagt Arndt Schoenemann, Vorsitzender der
Geschäftsführung der DFS. „Das Ziel bleibt ein koordiniertes Vorgehen von
Airlines, Flugsicherung und dem europäischen Flugsicherungs-Netzwerkmanagement,
um klimarelevante Kondensstreifen wirksam zu vermeiden.“
Die
Projektergebnisse markieren damit keinen Abschluss, sondern einen
Zwischenschritt auf dem Weg zu einem stärker klimaoptimierten Luftverkehr.
Bildnachweis:
© AA
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