EcoTrophea 2026: Drei Projekte mit lokaler Verankerung im Finale - Wissen, was im Tourismus los ist!



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EcoTrophea 2026: Drei Projekte mit lokaler Verankerung im Finale
Ecomapu Travel, G Adventures und HX Expeditions konkurrieren um den Nachhaltigkeitspreis des DRV, der am 15. Oktober in Berlin vergeben wird
EcoTrophea 2026: Drei Projekte mit lokaler Verankerung im Finale

Drei Tourismusprojekte aus Chile, verschiedenen internationalen Destinationen und der kanadischen Arktis stehen im Finale um die EcoTrophea 2026 des Deutschen Reiseverbandes. Im Mittelpunkt der diesjährigen Auszeichnung steht die Frage, wie Tourismus gemeinsam mit lokalen Gemeinden entwickelt werden kann und dabei wirtschaftliche, soziale, kulturelle und ökologische Wirkung vor Ort entfaltet.

Nominiert sind Ecomapu Travel mit seinem Community-Tourism-Modell in Valparaíso, G Adventures mit dem Aufforstungsprogramm „Trees for Days“ und HX Expeditions mit einem gemeinsam mit Inuit Communities entwickelten touristischen Angebot entlang der Northwest Passage. Der Gewinner wird am 15. Oktober beim DRV-Hauptstadtkongress in Berlin bekannt gegeben.

„Nachhaltiger Tourismus kann nur gemeinsam mit den Menschen vor Ort erfolgreich sein. Die drei nominierten Projekte zeigen auf unterschiedliche Weise, wie lokale Gemeinschaften aktiv eingebunden werden und wie daraus wirtschaftliche, soziale, kulturelle oder ökologische Mehrwerte entstehen können“, sagt Harald Zeiss, Vorsitzender des DRV-Ausschusses Nachhaltigkeit, Professor für Tourismus an der Hochschule Harz und Vorsitzender der EcoTrophea-Jury.

Valparaíso setzt auf lokale Wertschöpfung

Ecomapu Travel koordiniert seit 2015 in der chilenischen Hafenstadt Valparaíso ein Modell für gemeindebasierten Tourismus. Der Veranstalter vernetzt Gastfamilien, Guides und weitere lokale Anbieter mit Reisenden und öffentlichen Institutionen. Zu den Ausgangspunkten gehörte die gemeinsame Entwicklung der „Ruta La Matriz“ in sozial benachteiligten und bislang weniger vom Tourismus erfassten Bereichen des UNESCO-Welterbes.

Nach Angaben des Unternehmens nehmen jährlich etwa 7.000 Reisende an elf Angeboten für Kleingruppen teil. Zum Netzwerk gehören fünf Gastfamilien, 14 Guides und mehr als 20 weitere lokale Anbieter. Rund 80.000 US-Dollar an Ausgaben der Besucher verbleiben demnach durch direkte Zahlungen vor Ort.

Die Beteiligung der Bewohner geht über die Rolle touristischer Dienstleister hinaus. Sie entscheiden über Routen, erzählte Geschichten, Preise und neue Aktivitäten mit; jährlich finden vier Beteiligungstreffen statt. In Zusammenarbeit mit der University of Valparaiso wurden zudem lokale Akteure qualifiziert. Traditionelle Rezepte, Geschichten und das Wissen der Bewohner werden gezielt in die touristischen Angebote eingebunden.

Aufforstung schafft Einkommen

Einen anderen Ansatz verfolgt G Adventures mit „Trees for Days“. Für jeden Reisetag eines G-Adventures-Gastes wird im Rahmen des Programms ein Baum gepflanzt. Die Projekte sollen dabei nicht allein der ökologischen Wiederherstellung dienen, sondern zugleich lokale Beschäftigung und Einkommen schaffen.

Nach Unternehmensangaben wurden bislang 6,6 Millionen Bäume gepflanzt und 224.390 Menschen durch die Projekte erreicht. Für 13.171 Menschen entstanden demnach direkte Vorteile durch Arbeitsplätze, Einkommen oder Schulungen. Lokale Gemeinschaften wählen geeignete Baumarten aus, betreiben Baumschulen und übernehmen über drei bis fünf Jahre Management, Kontrolle und Steuerung der jeweiligen Projekte.

Die Ausgestaltung unterscheidet sich je nach Region. G Adventures verweist unter anderem auf indigene Ernährungssysteme in Kanada, von Frauen betriebene Baumschulen in Kenia sowie Projekte in Marokko und Madagaskar. Gemeinschaftlich bewirtschaftete Gärten sollen zusätzlich Beschäftigungsmöglichkeiten schaffen und lokale Strukturen stärken.

Inuit Communities gestalten Angebote mit

HX Expeditions ist mit einem Projekt entlang der Northwest Passage in der kanadischen Arktis nominiert. Dort werden touristische Aktivitäten gemeinsam mit Inuit Communities entwickelt. Die Gemeinden wirken sowohl an der Gestaltung der Angebote als auch an der Routenplanung mit. Traditionelles Wissen und lokale Entscheidungsstrukturen sollen dabei ebenso berücksichtigt werden wie die wirtschaftlichen Interessen der Bewohner.

Welche Größenordnung die direkte Wertschöpfung erreichen kann, zeigen Zahlen aus dem Sommer 2025. Nach Angaben von HX Expeditions brachten zwei Reisen durch die Northwest Passage den Gemeinden rund 260.000 Euro direkte Einnahmen aus von ihnen organisierten Aktivitäten. Weitere etwa 77.000 Euro flossen über optionale, von lokalen Akteuren geleitete Ausflüge unmittelbar an die beteiligten Personen.

Pro Community wurden nach Unternehmensangaben inzwischen 20 bis 30 Menschen in die touristischen Aktivitäten einbezogen. Zum Programm gehören unter anderem Begegnungen mit lokalen Experten, traditionelle Qulliq-Zeremonien mit den für die Inuit-Kultur charakteristischen flachen Steinöllampen, Führungen zu Kulturerbestätten sowie Handwerkskunst und mündlich überlieferte Geschichten.

Der DRV vergibt die EcoTrophea seit vielen Jahren an Projekte, die Tourismus mit nachhaltiger Entwicklung verbinden. Für 2026 liegt ein besonderes Gewicht auf der tatsächlichen Beteiligung lokaler Akteure. Bei der Bewertung entfallen 30 Prozent auf soziale Beteiligung und Wirkung, jeweils 25 Prozent auf Umsetzung und wirtschaftlichen Nutzen sowie 20 Prozent auf die kulturelle Stärkung.

„Tourismus entfaltet dann seine positive Wirkung, wenn die Menschen in den Zielgebieten aktiv beteiligt werden, wirtschaftlich profitieren und gleichzeitig ihre kulturelle Identität bewahren können. Genau solche Projekte möchten wir mit der EcoTrophea 2026 sichtbar machen und auszeichnen“, sagt Zeiss.

Über die Vergabe entscheidet eine sechsköpfige Jury aus Wissenschaft und Tourismuswirtschaft unter dem Vorsitz von Harald Zeiss. Welches der drei Projekte die EcoTrophea 2026 erhält, wird beim DRV-Hauptstadtkongress am 15. Oktober in Berlin bekannt gegeben.

Bildnachweis: © KI-erstellte Illustration


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