Tourexpi
Die
Ausbildung bleibt eine zentrale Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit der
Reisewirtschaft. Darauf weist der Deutsche Reiseverband (DRV) angesichts
rückläufiger Ausbildungszahlen und wachsender struktureller Herausforderungen
hin. Die Branche setzt verstärkt auf Nachwuchsförderung, modernisierte
Ausbildungsinhalte und einen intensiveren Austausch zwischen allen beteiligten
Akteuren.
„Gut
ausgebildete junge Menschen sind der Schlüssel zum Erfolg. Denn die
Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“, sagt DRV-Präsident
Albin Loidl. Es sei daher unerlässlich, die Rahmenbedingungen weiter zu
verbessern und die duale Ausbildung zu stärken. Ziel müsse es sein, mehr junge
Menschen für eine Ausbildung im Tourismus zu gewinnen und sie langfristig in
der Branche zu halten.
Rückgang
bei Ausbildungszahlen verstärkt Wettbewerbsdruck
Die
Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge ist 2025 erneut gesunken. Nach
Angaben des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) wurden zum Stichtag 30.
September insgesamt 957 neue Verträge für den Beruf Tourismuskaufmann
abgeschlossen. Das entspricht einem Rückgang von 6,4 Prozent gegenüber dem
Vorjahr. Damit entwickelt sich die Branche schwächer als der Gesamtmarkt, der
um 2,1 Prozent zurückging.
„Die
Reisewirtschaft verliert im Wettbewerb um Auszubildende überproportional. Das
ist ein klares Warnsignal“, so Loidl.
Niveau
bleibt deutlich unter Vorkrisenstand
Trotz
einer leichten Erholung nach der Pandemie liegt das Ausbildungsniveau weiterhin
deutlich unter dem früherer Jahre. 2015 wurden noch 1.615 neue Verträge
abgeschlossen. Gleichzeitig verschärft die demografische Entwicklung die
Situation weiter. Laut Kultusministerkonferenz werden 2026 mit rund 750.000
Schulabgängern so wenige junge Menschen wie nie zuvor für den Ausbildungsmarkt
zur Verfügung stehen.
„Die
Sicherung von Arbeits- und Nachwuchskräften ist und bleibt eine der größten
Herausforderungen unserer Branche“, betont Loidl.
Attraktivität
als Arbeitgeber rückt in den Fokus
Neben
der Nachwuchsgewinnung gewinnt die Positionierung der Unternehmen als
attraktive Arbeitgeber an Bedeutung. „Wir müssen nicht nur sichtbarer werden,
sondern vor allem überzeugen“, sagt Loidl. Viele Unternehmen zeigten bereits,
wie moderne Arbeitswelten gestaltet werden können, die junge Menschen
ansprechen.
Dabei
gewinnen neben der Vergütung auch Faktoren wie Sinnhaftigkeit der Tätigkeit,
Teamkultur und Entwicklungsperspektiven an Bedeutung – Bereiche, in denen die
Tourismusbranche gute Voraussetzungen mitbringt.
Modernisierung
der Ausbildung als zentrale Aufgabe
Ein
weiterer Schwerpunkt liegt auf der inhaltlichen Weiterentwicklung der
Ausbildung. Der derzeit gültige Ausbildungsrahmenplan stammt aus dem Jahr 2011
und gilt als nicht mehr zeitgemäß. „Wir brauchen eine moderne, praxisnahe
Ausbildung – sowohl in den Betrieben als auch in den Berufsschulen“, fordert
Loidl. Dazu gehören insbesondere digitale Kompetenzen und eine zeitgemäße
technische Ausstattung.
Eine
umfassende Neuordnung könne jedoch nur auf Bundesebene angestoßen werden und
werde mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Kurzfristige Impulse ergeben sich unter
anderem aus der DRV-Jahrestagung auf den Azoren, bei der Vorschläge wie die
Überarbeitung von Prüfungskatalogen und eine stärkere Nutzung von
Projektarbeiten diskutiert wurden.
Komplexe
Strukturen erfordern enge Abstimmung
Die
duale Ausbildung basiert auf einem Zusammenspiel von Bund, Ländern, Kommunen
und Unternehmen. Während der Bund die Ausbildungsordnung festlegt, verantworten
die Länder den schulischen Teil, die Kommunen die Infrastruktur und die
Betriebe die praktische Ausbildung.
„Gerade
in diesem komplexen System ist der kontinuierliche Austausch entscheidend“, so
Loidl. Der DRV bringt die relevanten Akteure regelmäßig zusammen, unter anderem
im eigenen Bildungsausschuss sowie im Dialog mit BIBB und Deutscher Industrie-
und Handelskammer (DIHK).
Regionale
Unterschiede verschärfen die Lage
Die
Entwicklung der Ausbildungszahlen verläuft regional unterschiedlich. Während
sie in Ostdeutschland stabil bleiben, sind sie in Westdeutschland deutlich
rückläufig (minus 7,7 Prozent). Besonders betroffen sind große Bundesländer wie
Bayern und Nordrhein-Westfalen, aber auch kleinere Regionen wie Bremen,
Saarland und Brandenburg.
Dies
habe direkte Auswirkungen auf Berufsschulstandorte und die
Ausbildungsinfrastruktur insgesamt, so der DRV.
Branche
im Wandel: Nachwuchs als entscheidender Faktor
Die
Reisewirtschaft steht vor tiefgreifenden Veränderungen durch Digitalisierung
und Künstliche Intelligenz. Klassische Geschäftsmodelle verändern sich, neue
Wertschöpfungsstrukturen entstehen.
„Wir
dürfen die Risiken nicht unterschätzen, aber die Chancen sind enorm –
insbesondere für Unternehmen, die den Wandel aktiv gestalten“, sagt Loidl.
Dabei komme der nächsten Generation eine zentrale Rolle zu: „Junge Menschen
bringen neue Ideen, Perspektiven und den Mut mit, Dinge anders zu denken.
Wandel ist nicht nur Herausforderung, sondern vor allem Chance.“
Bildnachweis:
© DRV
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