Tourexpi
Die
Suche nach einem Hotel hat sich in den vergangenen drei Jahrzehnten grundlegend
verändert. Bewertungsportale, Buchungsplattformen, Bilder, Filter und Rankings
liefern heute eine Fülle von Informationen. Gleichzeitig wird es für Reisende
nicht unbedingt einfacher, Ausstattung und Leistungsniveau verschiedener Häuser
objektiv miteinander zu vergleichen. Die Deutsche Hotelklassifizierung setzt
hier seit 30 Jahren auf einheitliche und überprüfbare Kriterien.
Am
1. August 1996 wurde die Deutsche Hotelklassifizierung eingeführt. Was zunächst
innerhalb der Branche kontrovers diskutiert wurde, entwickelte sich zu einem
bundesweiten System, das Gästen eine Orientierung über Ausstattung und Service
bieten und Hotels eine nachvollziehbare Darstellung ihres Qualitätsstandards
ermöglichen soll.
Vom
umstrittenen Projekt zum bundesweiten Standard
Die
Einführung eines gemeinsamen Systems erforderte zunächst erhebliche
Abstimmungsarbeit. Unterschiedliche regionale Strukturen und Vorstellungen über
die Bewertung von Hotels mussten zusammengeführt werden.
„Die
ersten Jahre waren geprägt von intensiver Überzeugungsarbeit“, sagt Markus
Luthe, Geschäftsführer der DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH. „Es ging
darum, die Landesverbände, unterschiedliche Perspektiven und gewachsene
regionale Strukturen in einem gemeinsamen, bundesweiten System
zusammenzuführen.“
Dass
daraus ein einheitlicher Standard entstand, sei keine Selbstverständlichkeit
gewesen, so Luthe. Entscheidend seien Qualität, Fairness, Vergleichbarkeit und
die Orientierung am Markt gewesen.
Wie
kontrovers einzelne Kriterien diskutiert wurden, zeigt eine Episode aus den
Anfangsjahren. Der damalige Adlon-Direktor Gianni van Daalen verwies darauf,
dass rund um das Brandenburger Tor niemand einen Golfplatz bauen werde, nur um
ausreichend Punkte für einen fünften Stern zu erhalten. Die Anekdote
verdeutlichte ein grundsätzliches Problem: Eine Klassifizierung sollte nicht
möglichst viel Ausstattung honorieren, sondern berücksichtigen, welche
Leistungen für Hotelgäste tatsächlich relevant sind.
239
Kriterien bestimmen die aktuelle Einstufung
Die
Orientierung an den Erwartungen der Gäste wurde in den folgenden Jahrzehnten zu
einem wesentlichen Prinzip des Systems. Der aktuelle Kriterienkatalog für den
Zeitraum 2025 bis 2030 umfasst 239 Kriterien.
Die
Teilnahme an der Deutschen Hotelklassifizierung ist freiwillig. Hotels, die
sich klassifizieren lassen, werden nach bundesweit einheitlichen Maßstäben
überprüft. Die vergebenen Sterne sollen damit nicht persönliche Erfahrungen
einzelner Gäste abbilden, sondern überprüfbare Merkmale bei Ausstattung und
Service.
Für
Hotels erfüllen sie zugleich eine wirtschaftliche Funktion. Die Klassifizierung
ermöglicht es den Betrieben, ihr Leistungsniveau gegenüber Gästen einzuordnen
und insbesondere in digitalen Vertriebskanälen einheitlich darzustellen.
Hotelstars
Union schafft europäischen Rahmen
Einen
weiteren Entwicklungsschritt markierte 2009 die Gründung der Hotelstars Union.
Sie startete mit sieben Ländern, darunter Deutschland, und entwickelte sich zu
einem länderübergreifenden europäischen Qualitätsrahmen.
Gemeinsame
Kriterien und Verfahren sollen dafür sorgen, dass Sterneinstufungen über
nationale Grenzen hinweg besser vergleichbar werden. Dies gewinnt insbesondere
deshalb an Bedeutung, weil Reisende Hotels zunehmend international über
dieselben Buchungs- und Suchsysteme vergleichen.
Sterne
ergänzen Bewertungen und Rankings
Mit
dem Aufstieg von Buchungsplattformen und Bewertungsportalen hat sich die
Informationsbasis der Gäste erheblich erweitert. Bewertungen, Fotos und
Rankings vermitteln persönliche Erfahrungen und Eindrücke anderer Reisender.
Die offizielle Klassifizierung verfolgt dagegen einen anderen Ansatz: Sie
basiert auf festgelegten und überprüfbaren Kriterien.
Beide
Informationsquellen erfüllen damit unterschiedliche Funktionen. Während
Bewertungen beispielsweise Atmosphäre oder individuelle Erfahrungen
widerspiegeln können, sollen die Hotelsterne eine verlässliche Erwartung
hinsichtlich bestimmter Ausstattungs- und Servicestandards schaffen.
Künstliche
Intelligenz wird zur nächsten Herausforderung
Nach
drei Jahrzehnten steht die Hotelklassifizierung vor einem neuen technologischen
Wandel. Hotels werden künftig zunehmend über KI-gestützte Suchsysteme, digitale
Assistenten und automatisierte Reiseempfehlungen gefunden. Für die Deutsche
Hotelklassifizierung stellt sich damit die Frage, wie die offiziellen Sterne
von solchen Systemen erkannt und korrekt interpretiert werden können.
„Die
Suche nach dem passenden Hotel verändert sich rasant“, sagt Christin Neumann,
Geschäftsführerin der DEHOGA Deutsche Hotelklassifizierung GmbH. „In Zukunft
werden nicht nur Plattformen und Suchmaschinen, sondern auch KI-gestützte
Systeme die Entscheidungsfindung bei Reisen unterstützen.“
Die
Organisation wolle deshalb darauf hinwirken, dass die offiziellen Hotelsterne
auch in diesen digitalen Umgebungen eindeutig auffindbar und interpretierbar
bleiben.
30
Geschichten zeichnen die Entwicklung nach
Zum
Jubiläum blickt die Deutsche Hotelklassifizierung mit der Reihe „30 Jahre – 30
Geschichten“ auf ihre Entwicklung zurück. Thematisiert werden die Anfänge des
Systems, Diskussionen über geeignete Kriterien, die stärkere Ausrichtung auf
Gästeerwartungen und die europäische Harmonisierung.
Nach
drei Jahrzehnten verschiebt sich damit erneut die zentrale Herausforderung.
Ging es 1996 zunächst darum, einen bundesweit akzeptierten Standard zu
etablieren, geht es heute zunehmend darum, diesen Standard auch in einer von
Algorithmen und künstlicher Intelligenz geprägten Hotelsuche zuverlässig
sichtbar zu machen.
Bildnachweis:
© KI-generierte Illustration
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