Tourexpi
Im
Frühjahr stand im Schwarzwaldort Oberharmersbach ein besonderes Wildkraut im
Mittelpunkt: der Bärlauch. In der Landschaft des mittleren Schwarzwalds, die
mit feuchten Bachläufen, lichten Wäldern und sonnigen Hängen ideale Bedingungen
für die Pflanze bietet, wurde das aromatische Kraut mit Führungen,
Veranstaltungen und speziellen Gerichten in der Gastronomie gefeiert.
Rund
um den „Dorfurlaub“-Ort im Kinzigtal fanden Spaziergänge, Genussangebote und
kulinarische Aktionen statt, bei denen Gäste das Wildkraut kennenlernen
konnten. Eine zentrale Rolle spielte dabei die Heilkräuterfachfrau Nicole
Oeser, die im Frühjahr regelmäßig Bärlauchführungen durch die Landschaft rund
um Oberharmersbach veranstaltete.
Bärlauch
als kulinarisches Thema der Genusswochen
Auch
die Touristiker der Region griffen das Thema auf und machten den Bärlauch zum
Mittelpunkt der jährlichen Genusswochen. In diesem Jahr fanden sie vom 16. bis
zum 29. März statt.
Während
dieser Zeit servierten zahlreiche Gasthäuser und Restaurants im Ort Gerichte
mit dem Frühlingskraut. Auf den Speisekarten standen unter anderem
Bärlauchsuppen, Bärlauchspätzle oder Forellenfilet mit Bärlauchsauce. Ergänzt
wurde das Angebot durch Veranstaltungen wie „Bärlauch in Flammen“ sowie durch
geführte Kräuterspaziergänge mit Nicole Oeser.
Kräuterwissen
zwischen Bachläufen und Wiesen
Die
Heilkräuterexpertin führte kleine Gruppen durch die Landschaft entlang der
Bäche, wo Bärlauch besonders gut wächst. Dabei erklärte sie nicht nur, wo man
die Pflanze findet, sondern auch, wie man sie sicher erkennt und nachhaltig
sammelt.
„Vorsicht
und Achtsamkeit“ seien dabei zentrale Grundsätze, betonte Nicole Oeser. „Zum
einen sollte man die Bestände nicht drastisch reduzieren“, erklärte sie. Ebenso
wichtig sei es, die Pflanzen genau zu prüfen, bevor man sie pflücke: „Man will
ja keine giftigen Pflanzen mit nach Hause bringen.“
Bei
ihren Führungen zeigte sie den Teilnehmern, wie sich Bärlauch von giftigen
Doppelgängern wie Maiglöckchen, Aronstab oder Herbstzeitlosen unterscheiden
lässt. Ein entscheidendes Merkmal sei der typische Geruch: Reibt man ein
Bärlauchblatt, entfaltet sich eine deutliche Knoblauchnote.
Traditionelle
Heilpflanze mit vielen Qualitäten
Nicole
Oeser vermittelte in ihren Führungen nicht nur botanisches Wissen, sondern
sprach auch über die gesundheitlichen Eigenschaften der Pflanze. Für sie gilt
Bärlauch als besonders kraftvolles Wildkraut. „Bärlauch hat Bärenkräfte, die um
ein Vielfaches stärker sind als beim Knoblauch. Er regt den Stoffwechsel an und
stärkt das Immunsystem“, sagte sie.
Selbst
bereitet sie aus den Blättern eine Tinktur zu, die sie bei ersten
Erkältungssymptomen verwendet. „Sobald ich kränkelt, mische ich einen Schuss
davon in ein Glas Wasser – das wirkt Wunder.“
Der
Weg zur Heilkräuterexpertin ergab sich für sie aus persönlichem Interesse.
Ursprünglich arbeitete sie als Altenpflegerin und beschäftigte sich schon früh
mit Naturmedizin. Als ihre fünf Kinder krank wurden, griff sie häufig zu
Kräutern. Später absolvierte sie eine Ausbildung zur Naturpädagogin und
besuchte anschließend die Heilpflanzenschule von Maria Vogt in Renchen, wo sie
ihr Wissen über Heilpflanzen vertiefte.
Frühlingskräuter
zwischen Küche und Hausapotheke
Neben
Bärlauch gehören auch Schafgarbe und Brennnessel zu den Lieblingspflanzen der
Expertin. Die Schafgarbe sollte ihrer Ansicht nach in keiner Hausapotheke
fehlen, während die Brennnessel als vitalisierendes Frühlingskraut gilt. „Sie
reinigt das Blut und weckt die Lebensgeister“, sagte Oeser.
Auch
in der Küche spielte Bärlauch eine wichtige Rolle. Bei ihren Führungen gab sie
regelmäßig Tipps für Rezepte. Zu ihren Favoriten gehörten Ravioli mit
Bärlauchpesto. „Egal, ob man Ricotta dazugibt oder nicht – das schmeckt einfach
herrlich“, erklärte sie.
Eines
der ersten Wildkräuter des Jahres
Bärlauch
gehört zu den ersten Wildpflanzen, die im Frühling austreiben. Die Pflanze aus
der Familie der Lauchgewächse ist mit Zwiebel und Knoblauch verwandt und
besitzt einen ähnlichen, jedoch milderen Geschmack. Ab März erscheinen die
Blätter, im April folgen weiße Blüten – danach werden die Blätter zunehmend
bitter und die Erntezeit endet.
Die
vitaminreiche Pflanze wurde seit Jahrhunderten auch als Heilmittel genutzt. In
der Küche eignet sie sich für Suppen, Pestos, Spätzle, Gnocchi, Maultaschen
oder Brotaufstriche.
Naturerlebnis
und regionale Küche
Das
Sammeln von Bärlauch ist für viele Besucher ein besonderes Naturerlebnis.
Gleichzeitig betonten Experten, dass man sich vor dem Sammeln gut informieren
sollte, da es mehrere giftige Pflanzen gibt, die ähnlich aussehen.
Wer
das Kraut lieber genießen als selbst sammeln wollte, fand in Oberharmersbach
zahlreiche Möglichkeiten. Während der Genusswochen servierten die Gasthäuser
des „Vesperdorfs“ vielfältige Gerichte mit dem Frühlingskraut und machten den
Bärlauch zu einem kulinarischen Botschafter der Region.
Bildnachweis:
© Jigal Fichtner/Schwarzwald Tourismus
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