- Wissen, was im Tourismus los ist!



Hüseyin BARANER
Hüseyin BARANER
Baraner: Dem Tourismus wachsen die Probleme über den Kopf
Der weltweite Tourismus differenziert sich in jeder Hinsicht aus. Gleichzeitig drohen verschiedene Gefahren, die sich je nach Land und Region unterscheiden. Dies betrifft nicht nur die Produkte und Kundenprofile, sondern auch die wachsenden Probleme und Schwierigkeiten in den Zielgebieten.

Die Menschen werden von sozioökonomischen Problemen, regionalen Unterschieden in der Einkommensverteilung, von einem gestörten ökologischen Gleichgewicht und neuen monopolistische Ausbeutungsmethoden globaler und digitaler Natur zur Migration gezwungen.

Parallel dazu zwingen in den letzten Jahren Kriege, ausgetrocknete Seen und Flüsse, sterbende Wälder, Felder, die ihre Erde durch Erosion verlieren und nicht mehr zahlbare Schulden immer mehr Menschen, in touristische Zielgebiete zu ziehen. Zur gleichen Zeit werden diese Migranten mit Wohlstandsbürgern konfrontiert, die Länder und Regionen nach Belieben ganz einfach konsumieren. Touristen und Migranten treffen sich nicht auf gleicher Ebene. Vielmehr stoßen Notleidende, die um ihr wirtschaftliches Überleben kämpfen, auf Menschen, die vorwiegend an ihr Vergnügen denken.

Reisende auf der Suche nach Hoffnung in einer globalisierten Welt

Nicht nur am Mittelmeer, auch in Afrika, Asien, Süd- und Mittelamerika, aber auch in Anatolien verlassen Menschen ihre Heimat, die ihnen und ihren Familien kein Auskommen mehr bieten kann.

Arbeitslosigkeit, die die Sozialstruktur der Lebenswelten zerstört, und die Menschen auf soziale Leistungen angewiesen macht, zwingt immer häufiger ganze Familien wie Zugvögel auf die Suche nach neuer Nahrung zu gehen.

Während diese Hoffnungssuchenden in einer globalisierten Welt in noch höherer Zahl als zuvor in industrialisierte Städte und Zentren der Produktion wandern, ziehen andere in die Gebiete, in denen der glücklichere Teil der Menschheit Urlaub macht.

Je stärker der Tourismus weltweit wächst, desto mehr Menschen migrieren in die Urlaubsgebiete

Im Falle der Saisonangestellten beginnt die Migration jedes Frühjahr, damit man wenigstens einige Monate lang Geld verdienen kann. Auch wenn viele Hoteliers darüber klagen, kein gut ausgebildetes Personal zu finden, ändert sich nichts an diesem Rhythmus, der gleichsam automatisch abzulaufen scheint.

Dabei bleiben immer mehr Menschen in den Zielgebieten und kehren gar nicht mehr in ihre Dörfer zurück. Die Kinder leben ohnehin zwischen allen Stühlen. Sie müssen nicht nur einen Kulturschock verarbeiten, sondern aufgrund des Kontakts zu den Urlaubern oft auch mehrere.

Diese „Kinder der Migration“, die oft nur wenige hundert Meter von Luxus-Fünf-Sterne-Hotels entfernt leben, arbeiten oder auch spielen, sind nicht nur für die Urlauber, sondern auch für die Einheimischen immer die „Anderen“, die Fremden.

Sie können ihre Empathiefähigkeit täglich an den unglücklichen Gesichtern der Kinder erproben, die ihnen täglich irgendetwas entgegenstrecken, das sie an diesem Tag unbedingt verkaufen müssen, um einen Beitrag zum Auskommen der Familie zu leisten.

In den Urlaubsstädten der Zielgebiete erfahren diese Menschen einen dreifachen Kulturkonflikt, da sie den Vorstellungen und Gewohnheiten der Besucher aus dem Ausland ausgesetzt sind, aber auch der fremden Lebensweise der Einheimischen.

Der Kulturschock, den ein Mensch, der aus fernen, ländlichen Gebieten zur Arbeit im Hotel angereist ist, hier erlebt, bringt einige soziale und psychologische Probleme mit sich.

Welche Auswirkungen hat diese Migration auf die Einheimischen?

Wie wird die Politik der Kommunalverwaltungen, die sich auf die Auswirkungen dieser saisonalen Migration einstellen muss, beeinflusst?

Die meisten Städte in den Zielgebieten reagieren auf die Probleme mit der falschen Politik, neue Tourismus- und Wohngebiete auszuweisen, auch mit dem Ziel, neue Einkünfte zu generieren. Doch das ist sehr kurzfristig gedacht, da man so auf lange Sicht wichtige touristische Einnahmemöglichkeiten vernichtet.

Die Städte in den Zielgebieten werden meist von Gruppen regiert, die sich politische und wirtschaftliche Rendite sichern wollen.

Wer sind die Akteure?

Das ist in Grunde gar nicht wichtig, es ist gleich, um welche Partei es sich handeln mag. Denn keine der politischen Parteien bietet nachhaltige Lösungen an

Auch wenn die Lösungsmöglichkeiten für die von der Migration geschaffenen Probleme dann und wann aufgrund lokalen Drucks oder politischer Entscheidungen in der Hauptstadt untersucht werden, stellt die anhaltende Landflucht die Zuständigen doch vor ernste Probleme, und überfordert sie meist. Hinzu kommen eine mangelnde Entscheidungskompetenz und geringe Handlungsspielräume, die selbst aufrichtig nach Lösungen suchende Kommunalverwaltungen behindern.

Tourismus und Übernachtungssektor sind wichtige Dienstleistungsbranchen

Der Tourismus und der Übernachtungssektor sind wichtige Dienstleistungsbrachen – aber einfach sind sie nicht! Jeder Hotelangestellte muss eine Ausbildung durchlaufen, darauf muss hier noch einmal hingewiesen werden.

In den Ländern außerhalb der EU gibt es hinsichtlich der Ausbildung von Tourismusschaffenden bedeutende Probleme. Das liegt auch daran, dass es an einem allgemeingültigen Konzept fehlt, so dass spontane Maßnahmen nicht ausreichen, nachhaltige Lösungen zu kreieren. Da es in all-inclusive Hotels auch keine Trinkgelder mehr gibt, wird es immer schwerer, im Tourismus ein Auskommen zu finden.

Auf diese Weise sorgt der Tourismus auch in manchen Gebieten dafür, dass die Bevölkerung verarmt. Das liegt auch daran, dass einkommensstarke Urlauber die Lebenshaltungskosten in bestimmten Regionen ansteigen lassen können.

Diese Faktoren sowie die Fehler der Vergangenheit machen deutlich, dass es hier ernste Probleme gibt. Wenn wir diese überwinden wollen, müssen wir in der Zukunft weitaus professioneller, aber auch empathischer und gerechter handeln.

Wenn unser Tourismus nachhaltig sein soll, müssen wir uns darauf einstellen, dass es nicht nur auf steigende Betten- und Touristenzahlen ankommt, und einsehen, dass man auch den Tourismus wissenschaftlich analysieren und planen muss, damit er erfolgreich bleiben kann.

Da wir den Tourismus auch immer durch die Brille des Wettbewerbs mit Konkurrenten gesehen haben, ist uns zudem entgangen, dass er friedensfördernd sein kann.

So haben wir es auch nicht vermocht, die Natur, Kultur, Kunst und den Sport zu fördern. Dabei wäre der Tourismus dazu ebenso geeignet wie er es wäre, zum regionalen Entwicklungsfaktor zu werden.

Wir dürfen den Tourismus also nicht nur im Hinblick auf die Zahl der Betten und der Gäste aus dem Ausland sowie den Beitrag zu bewerten, den er zur Volkswirtschaft leistet, man muss sich im Klaren sein, dass auch Themen wie Bildung, Betriebs- und Finanzwirtschaft, Recht, Architektur, Umweltschutz, Soziologie, Demografie, Psychologie, Sicherheit, Kultur und viele mehr in Wechselwirkung mit dem Tourismus stehen. Erst dann, wenn wir auch diese Themen berücksichtigen, werden wir die derzeitigen Probleme bewältigen können.

Chancen und Lösungsmöglichkeiten…

Wenn wir Lösungen finden wollen, die dazu führen, dass man nach europäischen Standards leben, wirtschaftlichen Erfolg auf individueller Basis finden, Karriere machen und glücklicher leben kann, dann müssen wir viel enger mit den lokalen Selbstverwaltungen zusammenarbeiten.

Wenn es uns nicht gelingt, die Städte zu lebendigen Orten zu machen, dann werden unsere Zielgebiete eingehen und sich zu reinen Bettenburgen entwickeln. Wir müssen uns bemühen, die Fehler der Vergangenheit zu vermeiden, und stattdessen Lösungen suchen, die im gesamten Mittelmeergebiet anwendbar sind.


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