‘Antalya ist auf dem Weg zur regelrechten Kongress-Stadt’
Donnerstag, 24. Mai 2012, 13:46
Anlässlich der IMEX Frankfurt sprach Tourexpi mit Nizamettin Şen, dem Leiter der PR-Stiftung Antalya, über die Entwicklung Antalyas als Kongress-Stadt.
Tourexpi: Seit wann gibt es das Kongressbüro Antalya?
NŞ: Als wir 1996 das Kongressbüro Antalya gegründet haben, gab es dort noch keinen nennenswerten Kongresstourismus. Wir haben uns aber schon damals Gedanken darüber gemacht, wie wir das Kongressbüro unter dem Dach der PR-Stiftung Antalya erfolgreich entwickeln können. Gleich nach uns wurde dann auch das Kongressbüro Istanbul gegründet und auch vom Ministerium unterstützt. In der Metropole Istanbul war es natürlich leichter, einen Kongresstourismus zu entwickeln, denn wir in Antalya sind ja eine Urlaubsdestination, und Urlaubsdestinationen leiden daran, dass sie zuerst populär werden, dann Krisen durchmachen und aufgrund der Krisen an eine Diversifikation der Produkte denken. Das ist auch der Punkt, an dem Urlaubsreisezielen dann plötzlich der Kongresstourismus einfällt. Das hat bei uns sogar noch einmal besonders lange gedauert.
Tourexpi: Hat sich Antalya denn in den vergangenen 16 Jahren als Kongress-Stadt etablieren können?
NŞ: Unser größtes Problem ist eine mangelnde Infrastruktur, denn wir haben nicht die Einrichtungen, die für die Ausrichtung einer großen, internationalen Tagung vonnöten sind. Was wir bräuchten wären je ein großes Kongresszentrum in Kemer, in Antalya selbst, in Belek und auch in Alanya. Die müssten je nach Standort unterschiedlich groß sein, und auch den Charakter der Region in der Form des Gebäudes widerspiegeln. Die müssten auch den aktuellen Erfordernissen entsprechend konzipiert werden. Früher reichte es einmal, einen großen Saal und drei Räume für Verkäufergespräche anzubieten, heute haben wir ganz neue Trends, wir haben heute sehr große Tagungssäle, die durch mindestens zwanzig kleine Meetingräume ergänzt werden. Dabei müssen die Räumlichkeiten multifunktional sein. In dieser Hinsicht haben wir in Antalya noch große Mängel. Es gibt wohl Pläne für ein Kongresszentrum im Zentrum Antalyas, aber die wurden bisher nicht umgesetzt.
Tourexpi: Was hätte dieses Kongresszentrum Antalya gebracht?
NŞ: Es hätte zunächst einmal das Besucherprofil der Stadt verändert, aber auch das Profil der Stadt selbst, denn wenn eine Stadt eine Kongress-Stadt wird, dann leistet das auch große Beiträge zur Entwicklung der Stadt. Kongresse kommen allen Hotels der Stadt zugute, aus allen Kategorien. Uns geht es dabei aber nicht nur um Tagungen als solche, sondern um die gesamte Bandbreite der Veranstaltungen, die unter dem Begriff MICE gesammelt werden, also um Meetings, Incentives, Kongresse und Events. Das beinhaltet dann z.B. auch Festivals und Konzerte und ähnliches.
Tourexpi: Sie haben aber trotzdem einige Erfolge erzielen können?
NŞ: Wir sind gerade an einem Wendepunkt für Antalya angelangt, denn 2014 wird nach großen Anstrengungen unsererseits die Tagung der ICCA, der International Congress and Convention Association in Antalya stattfinden. Nachdem dies im vergangenen Jahr bekannt gegeben wurde, haben wir schon jetzt gesehen, welch eine wichtige Empfehlung das für uns ist, weil wir damit viele andere Kongresse nach Antalya holen konnte. Antalya ist jetzt also auf dem Weg, eine regelrechte Kongress-Stadt zu werden. Im laufenden Jahr findet nun auch die Tagung des Verbands der englischen Reiseagenturen statt, und auch die Tagung des Verbands der Reiseagenturen Irlands. Dabei bemühen wir uns auch intensiv, einen der größten Mangel Antalyas zu beseitigen, den Mangel an gut ausgebildeten Fachkräften in diesem Bereich.
Tourexpi: Können Sie auch aktuell auf der IMEX, auf der wir uns hier ja befinden, positive Auswirkungen all dieser Anstrengungen verzeichnen?
NŞ: Natürlich. Wir haben heute den ersten Tag der IMEX und den gesamten Tag mit Gesprächsterminen ausgefüllt. Wir können zu zweit kaum alle Anfragen beantworten. Unsere Mitglieder strengen sich an, allen Interessenten Rede und Antwort zu stehen, Sie wissen ja, dass wir hier alle ehrenamtlich tätig sind. Kongress-Büros sind ja im Allgemeinen auch non profit-Organisationen. Wir würden uns wünschen, dass in der Türkei möglichst bald ein Kongressbüro für das gesamte Land gegründet wird, und dass unser Ministerium für Kultur und Tourismus dies unterstützt.
Tourexpi: Der Erfolg Istanbuls und die Anstrengungen Izmirs schaffen dabei wohl sicherlich auch Synergie-Effekte für Antalya, nicht wahr?
NŞ: Wir sind Izmir natürlich weit voraus. Izmir versucht sich ja erst einen Namen in diesem Bereich zu machen. Wir haben in Antalya einen großen Fehler gemacht: Unsere großen Tagungssäle liegen in den Hotels. Hätten wir rechtzeitig gemeinsame Kongress-Zentren für mehrere Hotels gebaut, in Gebieten wie Belek oder Kundu, dann wären wir heute schon viel, viel weiter. Deshalb halte ich es für wichtig, dass neue Reiseziele in der Türkei diese Fehler vermeiden. Ankara bemüht sich da sehr und ist auf dem richtigen Weg, dort hat die IHK ein Kongresszentrum gebaut, das sehr gut geeignet ist, und das hat dem Kongresstourismus Ankaras im vergangenen Jahr bereits immensen Auftrieb gegeben. Ich kann es nur wiederholen: Was Antalya sofort machen muss, ist die Anlage eines Kongresszentrums in Kemer, das wird die Hotels in den Wintermonaten beleben, dann brauchen wir ein sehr großes Kongresszentrum, das auch architektonisch einen Beitrag zum Image der Stadt leistet, im Zentrum Antalyas, so ein großes Kongresszentrum wird gerade in Süd-Zypern gebaut, mit einer goldenen Engelsstatue und einer tollen Architektur. Etwas Ähnliches wünschte ich mir für Antalya.
Tourexpi: Haben Sie herzlichen Dank für das Gespräch.
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