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Die schönsten Gebirgswanderungen
Aufgrund ihrer geographischen Lage am Schnittpunkt dreier Kontinente weist die Türkei eine hohe Vielfalt verschiedener Pflanzenarten auf. Eine hohe Zahl dieser Pflanzen ist zudem endemisch, das heißt, diese Pflanzen sind lediglich in ihrem Heimatland zu finden.
Daß man viele dieser Pflanzen auf Gebirgswanderungen in noch weitgehend unverdorbener Umgebung antreffen kann, das liegt an der vielerorts noch sehr geringen Siedlungsdichte. Denn die großen Siedlungen der Türkei, dieses durch eine ganze Reihe von Gebirgen zerklüfteten Landes, konzentrieren sich auf Küsten und Täler.
So bietet Anatolien auch heute noch eine Vielzahl von Almen, die naturbegeisterte Urlauber zu faszinierenden Gebirgswanderungen reizen können. Neben interessanten Pflanzen und seltenen, wilden Tieren kann man bei diesen Wanderungen natürlich auch das ursprüngliche Leben der freundlichen Einheimischen entdecken.
Am Schnittpunkt dreier Kontinente
Als natürliche Brücke zwischen Asien, Europa und Afrika hat Anatolien nicht nur für den Austausch zwischen verschiedenen Kulturen gesorgt, nein, das Land ist auch mit einer unerhörten Vielzahl von Pflanzen gesegnet. So steht die Zahl von 9.000 bisher bekannten Pflanzenarten Anatoliens den 12.000 erforschten Pflanzenarten in ganz Europa nur wenig nach.
Heimat vieler Arten
In einer, nicht unbedeutender Hinsicht, übertrifft die Türkei Europa gar: Das Land besitzt über 3.000 endemische Pflanzen, Arten also, die einzig und alleine in Anatolien heimisch sind. Ganz Europa dagegen kann lediglich 2.750 endemische Pflanzen aufweisen. Dabei kann alleine die Region Antalya mehr als 600 einheimische Arten verzeichnen.
Von der Eiszeit verschont
An der hohen Pflanzenvielfalt des Landes haben weniger die Menschen Anteil. Natürlich ist die Türkei mit ihren wohl um 75 Millionen Einwohnern und einer mehr als dreimal so großen Fläche als die alte BRD noch sehr spärlich besiedelt, und dies hat sich natürlich förderlich für den Erhalt der Artenvielfalt ausgewirkt. Die wahren Gründe für den botanischen Reichtum des Landes liegen indessen in den Tiefen der Geschichte: Anatolien wurde von der Eiszeit verschont, die weite Teile Europas mit einer pflanzenfeindlichen Eisdecke überzogen hat. So konnten sich viele Arten hier über Jahrtausende hinweg ungestört weiterentwickeln.
Drei Pflanzenzonen
Nicht nur die Kulturen verschiedener Großräume treffen sich seit jeher in Anatolien, auch die Zonen der weitaus weniger mobilen Pflanzen treffen sich hier – Mittelmeerzone, Europäisch-Sibirische Zone und die Iranisch-Mittelasiatische Zone haben alle ihren Beitrag zur Pflanzenwelt des Landes beigetragen.
Almen: Heimat der Nomaden
Die selten dauerhaft besiedelten Almen Anatoliens sind nicht nur das Refugium für seltene Pflanzen und Tiere, sie sind auch ein Rückzugsgebiet für Gruppen von Einheimischen, denen das moderne Leben die Existenzgrundlage zusehends zu entziehen droht: Hier ziehen im Sommer immer noch die Yörüken mit ihren Tieren auf die gesunde Hochweide, die Milch, Yoghurt und Käse ihrer Tiere den unvergleichlichen Geschmack beschert.
Deshalb sind die Almen der Türkei vor allem heutzutage, wo sich sämtliche Regionen der Welt zusehends zu gleichen beginnen, ein Bereich, indem naturbewußte Menschen sowohl die Exotik des Orients als auch einfache, natürliche Genüsse finden können, die sich im Gegensatz zu modernen Genußmitteln erst allmählich und in beschaulicher Annäherung erschließen lassen.
Hoch oben in den Bergen
So bieten die Almen der Türkei nicht nur die reine Luft einer unverdorbenen Natur. Strahlend klare, kalte Bäche, bezaubernde Aussichten, natürlich gewachsene und gereifte Früchte, und die Produkte natürlich weidender Tiere laden hier zu einem erholenden Urlaub weitab von der Hektik der modernen Zivilisation ein. Hier kann man die verzaubernde Welt der Dokumentarfilme einmal selbst für sich erleben.
Taurus und Schwarzmeergebirge
Der Taurus
Von bis weit in den Sommer hinein schneebedeckten Gipfeln erstrecken sich Hänge und Täler zur Küste hin und genießen so die warmen Winde, die vom Meer aus wehen. Dieses sanfte Klima sorgt für eine Pflanzendecke, die so bunt und vielfältig wirkt wie der Teppich der Nomaden, die hier zur Sommerweide ziehen – Kiefern, Wacholder, Tannen, Zedern und Obstgärten fallen hier als erstes auf.
Wenn im Frühling die Krokusse ihre bunten Köpfchen aus dem Schnee herausstrecken, ziehen die Yörüken auf die Almen des Taurus. Ihnen folgen im Sommer auch viele Städter. Wenn in den Siedlungen der Küste die Hitze Grade erreicht, die nur noch Urlauber aus dem Norden begeistern kann, suchen sie die Frische der klaren Quellen und ausgedehnten Wälder weitab von schwülen Meeresstränden.
Die Pflanzendecke der Taurushänge wechselt entsprechend der Höhe. Finden sich weiter unten noch Gärten mit Zitrusfrüchten, folgen später Macchiasträucher, Sandelholzbäume, Eichen, Platanen, wilde Oliven, Brombeere, Heidekraut, Mastix, Judasbaum, Kornellkirsche und Lorbeer. Diese weichen später Kiefern, Wacholder, Birken, Taurustannen und Zedern. An Blumen und Kräutern finden sich Schneeglöckchen, Alpenveilchen, Lilien, Hyazinthen, Tulpen, Klatschmohn, Thymian, Lavendel, Pfefferminze, Portulak und Kamille.
Auch die Tierwelt ist mit vielen Arten vertreten: Tauben, Amseln, Rebhühner, Fasanen, Wachteln, Schnepfen und viele Raubvögel, Dam- und Rothirsche, Wildkatzen, Wildschweine, Luchse, Füchse, Hasen, Wölfe, Schakale, Marder und Hyänen können hier in ihrer natürlichen Umgebung beobachtet werden.
Die Kette des Taurusgebirges erstreckt sich von Muğla im Westen über Antalya, Mersin und Adana bis zur Provinz Hatay an der Grenze nach Syrien.
Die Schwarzmeer-Region
Der vorherrschende Baum der Schwarzmeer-Region ist die Fichte. Abwechslung vom dunklen Grün dieser Bäume bieten die bunten Feldblumen und die lustig plätschernden Bäche. Die reiche Vegetation dieses Gebietes verdankt sich nicht nur den häufigen Niederschlägen, sondern auch der sehr hohen Luftfeuchtigkeit, die oft zu dichter Nebelbildung führt. Viele der so entstandenen Nebelwälder sind noch reine, ursprüngliche Urwälder. Überschreitet man indessen das Gebiet der Nebelwälder in Küstennähe und steigt in höhere Regionen auf, erwartet einen auch dort die klare, frische Bergluft, die das Wandern zum Vergnügen macht.
In den Gebirgen des Schwarzen Meeres gibt es reiche Mischwälder aus Fichten, Tannen, Zedern, Birken, Eichen, Linden, Ulmen, Buchen und wilden Haselnüssen. Unter den Blumen dominieren Schneeglöckchen, Azelien und Wildrosen.
Die Gebirge der Schwarzmeer-Region erstrecken sich über die Provinzen Sinop, Ordu, Trabzon, Rize, Artvin, Gümüşhane und Bayburt.
Almen bei Antalya
Finike-Ördübek
Anfahrt: Bei Kilometer 41 auf der Straße von Finike nach Elmalı biegt man links auf einen stabilisierten Weg ab, der nach 6 km zur Alm führt. Im Sommer auch über Minibusse zu erreichen.
Besonderheiten: Die Talsenke der Alm ist von uralten Zedern- und Wacholderwäldern umgeben. Sie selbst ist von Wiesenblumen überdeckt und von zahlreichen Bächen durchzogen. Einige Almhäuser ohne jegliche Anbindung an Strom- oder Wassernetze stören wenig. Interessant ist auch ein Ausflug zur nahe beim Dorf Arif Köyü gelegenen antiken Stadt Arycanda.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher.
Serik-Ovacık
Anfahrt: Ab Serik über eine 36 Km lange Straße, die nur auf den ersten Kilometern asphaltiert ist.
Besonderheiten: Schon die Aussicht bei der Fahrt, die zunächst durch Orangenhaine, später dann durch Macchia und Kiefernwälder führt, ist atemberaubend. Von der Alm aus wirken Ebene und Mittelmeerküste später wie ein Gemälde. Sowohl die Alm Ovacık als auch die Alm Nana sind beide von Siedlungen verschont geblieben. Vor allem an dem Flüßchen, daß die Alm Nana durchzieht, kann man gut zelten. Zwischen den Wäldern finden sich auch die Reste einer mittelalterlichen Burg.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher.
Almen bei Alanya und Kemer
Kaş, Sapadere, Tokar und Söğüt
Anfahrt: Von der Kleinstadt Demirtaş aus lassen sich die Almen über stabilisierte Erdstraßen erreichen. Die Alm Kaş liegt mit 30 Km Entfernung am nächsten, bis zur Alm Söğüt sind es bereits 50 Km.
Besonderheiten: Die Almen werden im Sommer oft von Einwohnern Demirtaşs und der umliegenden Dörfer aufgesucht, die dort auch Obstgärten angelegt haben. Ansonsten herrschen Bergwiesen mit vielfältigen Feldblumen vor. Die Almen sind nicht dauerhaft besiedelt, doch kann man in nahegelegenen Dörfern einfache, ländliche Lokale finden und sich dort verpflegen. Zelten und Angeln am Fluß Demirtaş möglich.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher.
Üçoluk
Anfahrt: Von Kemer aus über einen stabilisierten Weg durch Kiefernhaine.
Besonderheiten: Die breite Talsenke ist von vielen kleinen Bächen durchzogen und an den Hängen von dichten Wäldern umstanden. Die Zedern, Tannen und Kiefern sowie die Nähe zur Touristenhochburg Kemer sind dafür verantwortlich, daß diese sonst unberührte Alm oft von organisierten Touren angefahren wird.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher.
Almen im Schwarzmeergebiet
Kaçkar: Yaylalar Köyü
Anfahrt: Die Alm Yaylalar Köyü liegt 53 km von der Kreisstadt Yusufeli entfernt. Auf den ersten 20 km Weges zwischen Yusufeli und Sarıgöl findet man noch öffentliche Verkehrsmittel. Die restlichen 33 Km muß man mit Mietwagen über einen Erdweg zurücklegen. Vom Dorf Yaylalar Köyü führt anschließend ein 10 km langer Fußweg zum Zeltlager Dilberdüzü.
Besonderheiten: Das Zeltlager in 3.328 Metern Höhe gelegene Zeltlager ist Ausgangspunkt zur Besteigung des Gipfels Kaçkar, einem beliebten Ziel türkischer Bergsteiger. In der unberührten Umgebung leben noch heute Luchse, Bären, Bergziegen, Wölfe, Schakale und Füchse. Beim nahegelegenen Dorf Altıparmak lassen sich georgische Kirchen besichtigen.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher. Im Dorf Yayalalar Köyü kann man sich Essen versorgen, dort gibt es auch Telefon und eine dörfliche Sanitäterstation, bei der man erste Hilfe erhalten kann.
Kafkasör Yaylası
Anfahrt: Die im Südwesten der Provinzstadt Artvin gelegene Alm läßt sich über einen 10 km langen, stabilisierten Erdweg erreichen.
Besonderheiten: Die wunderschöne Alm liegt in 1.250 Metern Höhe. Die Kommune Artvin hat hier 10 Bungalows mit insgesamt 80 Betten anlegen lassen. Traditionell finden hier jeden Juni dreitägige Stierkämpfe statt, die bei der Bevölkerung sehr beliebt sind. Drei heiße Quellen werden zudem gerne zur Linderung diverser Beschwerden aufgesucht.
Erforderliche Ausrüstung: Da Bungalows mit Kochgelegenheiten gemietet werden können, muß man sich lediglich mit ausreichenden Lebensmitteln versorgen.
Borçka-Karagöl
Anfahrt: Das 27 Km von Borçka entfernte Karagöl erreicht man über eine Straße, die nur zum Teil asphaltiert ist.
Besonderheiten: In den Wäldern, die den See in der Talsenke umgeben, leben noch Luchse, Bären, Bergziegen und viele Raubvögel. Im See können Forellen geangelt werden. Die Forstverwaltung der Türkei hat am See Toiletten, Picknicktische und Brunnen angelegt.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher.
Ardanuç-Babilan
Anfahrt: 51 Km stabilisierter Erdweg östlich der Kreisstadt Ardanuç sind zu bewältigen, bis man die Alm Babilan erreicht.
Besonderheiten: In weitgehend unberührter Natur richtet die örtliche Bevölkerung hier jeden Samstag einen Vieh- und Lebensmittelmarkt aus, der gut besucht wird. So kann man hier Natur und traditionelles Leben zugleich kennenlernen.
Erforderliche Ausrüstung: Zelte, Lebensmittel und Kocher.
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