In einem längeren Artikel weist ein Autor der Wirtschaftswoche daraufhin, dass Alltours-Chef Willi Verhuven sein Lebenswerk zu gefährden droht. Seine autoritäre, aufbrausende und detailverliebte Art mache es ihm schwer, einen Nachfolger aufzubauen. Es sei „stur, unberechenbar“, aber auch „höchst erfolgreich“.
Bereits sechs Topmanager in 10 Jahren habe das von Willi Verhuven aufgebaute Unternehmen Alltours verloren, zuletzt Dierk Berlinghoff, der für den Reiseveranstalter Hotelkapazitäten einkaufen sollte. So zieht der Bericht Christian Schlesigers in der Wirtschaftswoche die Bilanz der Bemühungen Verhuvens, einen Nachfolger aufbauen zu wollen.
Kein Wunder, glaubt man den Tenor des Artikels, demzufolge Verhuven als aufbrausend, unberechenbar und launisch beschrieben wird – und auch als jemand, der eine Führungskraft vor versammelter Mannschaft scharf kritisiert. Dabei soll er auch Kritik kaum vertragen können.
Das ist vielleicht verständlich, denn ein Mann, dem es gelungen ist, in etwas weniger als 40 Jahren aus einem kleine Reisebüro ein Unternehmen mit 1,7 Millionen Reisenden und einem Umsatz von 1,3 Milliarden Euro aufzubauen, hat viel Grund, sich einiges zugute zu halten. Dabei ist alltours der einzige große deutsche Reiseveranstalter, der anstelle von Schulden Rücklagen in dreistelliger Millionenhöhe besitzt. Und ohne Kredite weiterexpandiert.
Hohe Anforderungen stellt Verhuven nach diesen Erfolgen sicher auch mit Recht an seinen potentiellen Nachfolger. Die Art und Weise, wie diese Forderungen gestellt und Kritik geübt wurde, haben die designierten Nachfolger nicht ertragen können. Deshalb will Verhuven sich nun Zeit lassen und keinen „Schnellschuss“ mehr machen bei Personalentscheidungen. Fragt sich nur, wieviel Zeit sich der 61jährige Unternehmensleiter dazu noch nehmen will – ein Ruhestand mit 65 könnte unmöglich werden.